"Nicht mit dem Sterben im Mittelmeer abfinden"

"Nicht mit dem Sterben im Mittelmeer abfinden"

Roland Kunz im Gespräch mit Präses Manfred Rekowski

Onlinefassung: Raphael Klein   12.09.2019 | 16:20 Uhr

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm hat am 12. September angekündigt, dass die Evangelische Kirche ein eigenes Schiff zur Seenotrettung von Flüchtlingen ins Mittelmeer entsenden will. Zum Unterhalt des Rettungsschiffs solle ein Verein mit "breiter gesellschaftlicher Beteiligung gegründet werden". Dazu im Interview: Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Mit der Entscheidung der Evangelischen Kirche in Deutschland(EKD), mit Hilfe eines Trägervereins ein Seenotrettungsschiff zu erwerben, wolle man ein klares Signal setzen: Man wolle sich nicht mit der Situation im Mittelmeer abfinden, sagt Manfred Rekowski. Er ist Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland und Beauftragter der EKD für Migration und Integration.

"Werke rettender Liebe"

Es gehe bei dem Vorhaben nicht darum, Politik zu machen. Man wolle viel mehr einen aktiven Beitrag zu leisten und zugleich an die EU-Politik appellieren, Lösungen in der Migrationsfrage zu finden. Werke rettender Liebe auf den Weg zu bringen, sei auch aus historischer Sicht eine tradionielle Aufgabe der Diakonie, so der Präses.

Gegen den Vorwurf, die EKD würde damit die Arbeit von Schleppern übernehmen, verwehrt sich Rekowski entschieden: Die Gründe für eine Flucht seien politischer und humanitärer Natur. Die Verfügbarkeit von Seenotrettungsschiffen sei kein Anreiz zur Flucht. Das würde die Zahl der Todesfälle im Mittelmeer im vergangenen Jahr zeigen. Als von Malta aus keine Rettungsschiffe auslaufen konnten, habe es nämlich die meisten Todesfälle gegeben, sagt Präses Rekowski.

Hintergrund

tagesschau.de
EKD beteiligt sich an Seenotrettung
Die Evangelische Kirche will mit anderen Organisationen ein Schiff für die Seenotrettung im Mittelmeer kaufen. Das Sterben könne nicht hingenommen werden, betonte der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm.

Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" vom 12.09.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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