Erdüberlastungstag 2019 erreicht?

Ein Plädoyer für den skeptischen Blick

Ein Gespräch mit Prof. Walter Krämer, Statistik-Experte an der Universität Dortmund

Jochen Marmit. Onlinefassung: Laszlo Mura   29.07.2019 | 08:25 Uhr

Der globale "Earth Overshoot Day", also der Erdüberlastungstag, ist in diesem Jahr auf den 29. Juli berechnet worden. In der Theorie ist das der Tag, an dem der Bedarf an regenerativen Ressourcen das übersteigt, was die Erde in einem Jahr erneuern kann. Den Rest des Jahres sollen wir laut "Global Footprint Network"mit den Ressourcen also auf Pump leben. In den letzten Jahren rückte der errechnete Erdüberlastungstag immer weiter nach vorne.

Gewisse Skepsis angebracht

Prof. Walter Krämer von der Universität Dortmund empfiehlt im SR-Interview, solche Statistiken mit einer gewisser Skepsis zu betrachten. Einige Komponenten, aus denen sich der Tag errechne, seien durchaus nachvollziehbar - etwa, was das "Überfischen der Weltmeere" angehe. Krämer nannte auch das Problem der Waldbewirtschaftung: "Man kann durchaus 'rausbekommen, wie viel Holz wird im Jahr verbraucht und wieviel wächst nach".

Ackerland verschwunden?

Andere Zahlen seien Krämer zu Folge allerdings nicht logisch nachzuvollziehen: "Bei den Kategorien Acker- und Weideland wird ignoriert, dass sie immer produktiver werden", sagte Krämer. Dadurch würde immer weniger Land pro Person gebraucht. Zudem werde das Ackerland in der Statistik so behandelt, als sei es nach einem Jahr nicht mehr da, so Krämer. Trotzdem würde alles "in einen Topf" geworfen, um eine öffentlichkeitswirksame Zahl zu schaffen, die dann von den Medien kolpotiert werde.

Vertrauen in den Erfindungsgeist

Walter Krämer vertraut darauf, dass nachhaltige Landwirtschaft möglich werden kann - wegen immer wieder neuer Ideen: "Man kann neue Produktionsmethoden erfinden". Die Menschen seien immer schon in der Lage gewesen, gesündere und umweltfreundlichere Alternativen zu ersinnen. Für dieses Innovationspotenzial könne der Erdüberlastungstag als Anregungstag dienen, so Krämer.

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Über dieses Thema wurde u. a. in der Sendung "Der Morgen" vom 29.07.2019 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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