"Ein großes Stück Musikgeschichte geht verloren"

"Ein großes Stück Musikgeschichte geht verloren"

Ein Gespräch mit dem Saarbrücker Organisten Bernhard Leonardy über die Cavaillé-Col-Orgel von Notre Dame, Paris

Audio: Roland Kunz. Foto: SR Fernsehen   16.04.2019 | 16:25 Uhr

Bei der Brandkatastrophe in der Pariser Kathedrale Notre Dame ist auch die berühmte Cavaillé-Col-Orgel in Mitleidenschaft geraten.

"Enorme Substanzgefährdung"

Der saarländische Organist Bernhard Leonardy geht davon aus, dass vor allem das Wasser der Löscharbeiten den Klang oder sogar das gesamte Instrument schwer beschädigt haben könnte. In jedem Fall werde es bei der "enormen Substanzgefährdung" sehr schwierig werden, "das wieder herauszuarbeiten", sagte Leonardy im SR-Interview. Dabei habe gerade diese Orgel "für die Jahrhunderte der Musikgeschichte" gestanden. Ein wesentliches Bauwerk "für unsere Seele hier in Europa" sei damit in Paris getroffen worden.

Aktuell: leichte Entwarnung

Wie der stellvertretende Bürgermeister von Paris, Emmanuel Gregoire, nach der Aufnahme des Interviews mitteilte, hat die Orgel von Notre Dame das verheerende Feuer überstanden. Es gebe eine "enorme Erleichterung" darüber, dass auch weitere historische Kulturgüter gerettet worden seien, wie etwa die als Dornenkrone von Jesu Christus verehrte Hauptreliquie des Gotteshauses, sagte Gregoire. Ein Notfallplan zum Schutz der Kirchenschätze sei schnell und erfolgreich umgesetzt worden.

Konzertprogramm geändert

Eigentlich wollte Bernhard Leonardy bei seinem Ostermontagskonzert in der Basilika St. Johann (17.00 Uhr) ja ganz etwas anderes spielen - doch aus aktuellem Anlass hat er spontan die Große E-Moll-Sinfonie von Louis Vierne in sein Programm aufgenommen. Vierne, einer der großen Orgelvirtuosen und -Komponisten Frankreichs, spielte einst die Cavaillé-Col-Orgel in Notre Dame de Paris.

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Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" vom 16.04.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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