"Grindel ist sicherlich der Alleinschuldige"

"Grindel ist sicherlich der Alleinschuldige"

Die Meinung von Thomas Kistner, Fußball-Experte bei der Süddeutschen Zeitung, zum Rücktritt von DFB-Chef Reinhard Grindel

Audio: Kai Schmieding. Foto: SR Fernsehen. Onlinefassung: Rick Reitler   03.04.2019 | 07:45 Uhr

Reinhard Grindel ist am 2. April nach nur knapp drei Jahren von seinem Amt als DFB-Präsident zurückgetreten. Als einer der Stolpersteine erwies sich eine Luxus-Uhr, die Grindel von einem ukrainischen FIFA-Kollegen bekommen hatte.

"Vorurteile bestätigt"

"Ich entschuldige mich dafür, dass ich durch mein wenig vorbildliches Handeln im Zusammenhang mit der Uhr Vorurteile bestätigt habe", sagt der Ex-Chef des größten nationalen Sportverbands der Welt.

"Nur von einem Fettnapf in den anderen"

"Grindel ist sicherlich der Alleinschuldige an der ganzen Geschichte", meint Thomas Kistner, Fußball-Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung. Der Spitzenfunktionär Grindel habe sich in den drei Jahren seiner Amtszeit "von Anfang an nur von einem Fettnapf in den anderen" bewegt.

Systembedingte Großmannssucht

Trotzdem sieht Kistner auch die strukturelle Dimension des Falles Grindel: "Es kommen natürlich in solchen Systemen ganz selten Leute nach oben, die wirklich 'ne andere Weltsicht haben." Im Normalfall machten bei Institutionen wie etwa dem DFB eben Menschen Karriere, die bereits "weichgespült" seien: "Es reizt, es verführt zur Großmannssucht, und da verliert man sehr schnell den Überblick über das, was anständig ist; das, was man besser sein lassen sollte."


Die zweite Meinung:

Kommentar: "Der DFB braucht einen Anti-Grindel"
Audio [SR 2, Philipp Hofmeister, 03.04.2019, Länge: 01:26 Min.]
Kommentar: "Der DFB braucht einen Anti-Grindel"
Noch kurz vor seinem Rücktritt hatte DFB-Chef Reinhard Grindel Kritik dafür einstecken müssen, Vergütungen in Höhe von 78.000 Euro als Aufsichtsratschef der DFB-Medien Verwaltungs-Gesellschaft nicht publik gemacht zu haben. Außerdem soll er von einem ukrainischen Funktionär eine Luxusuhr geschenkt bekommen und gegen den Rat seines Büros behalten haben. "Grindel war von Anfang an der falsche Mann für den Job", meint ARD-Sportredakteur Philipp Hofmeister in seinem Kommentar.


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DFB-Präsident Grindel tritt zurück
Reinhard Grindel ist von seinem Amt als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zurückgetreten. Damit hat er die Konsequenzen aus öffentlichem Druck und eigenem Fehlverhalten gezogen.

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 03.04.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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