"Das Verschwinden eines Flugzeugs ist seit diesem Frühjahr ausgeschlossen"

"Das Verschwinden eines Flugzeugs ist seit diesem Frühjahr ausgeschlossen"

Ein Gespräch mit dem Luftfahrtexperten Heinrich Großbongardt fünf Jahre nach dem Flugzeugunglück MH370

Audio: Jochen Erdmenger   08.03.2019 | 15:45 Uhr

Am 8. März 2014 war ein Flugzeug der Malaysia-Airline von Kuala Lumpur nach Peking gestartet - und dann spurlos vom Radar verschwunden. Fünf Jahre nach dem mysteriösen Verschwinden hat SR-Moderator Jochen Erdmenger mit dem Luftfahrtexperten Heinrich Großbongardt u. a. über den aktuellen Stand der Dinge und Verbesserungen in der Ortungstechnik gesprochen.

Die Ortungs-Möglichkeiten von Flugzeugen sind im Frühjahr 2019 stark verbessert worden. Das berichtet der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger. Vor der Einführung optimierter technischer Systeme sei das vorübergehende Verschwinden von Flugzeugen vom Radarschirm - wie im Fall des vor fünf Jahren verschwundenen Flugzeugs auf dem Flug MH370 - gar keine Seltenheit gewesen. Der Grund dafür liege in der Erdkrümmung: Die Radarstrahlen der Sendemasten auf dem Festland könnten der Erdkrümmung nicht folgen, wodurch ab einer Entfernung von etwa 300 km der Kontakt zur Beobachtungsstation abbreche.

Dieses Problem sei in den vergangenen fünf Jahren allerdings technisch gelöst worden, so Großbongardt. Das Verschwinden eines Flugzeuges wie im Fall MH370 sei mit den neuen Sicherheitsvorkehrungen deshalb "nach menschlichem Ermessen unmöglich" geworden, so Großbongardt. Denn die Fläche, auf der man nach einem verunglückten Flugzeug suchen müsse, sei mithilfe "hochkomplexer mathematischer Verfahren" in der Satellitentechnik auf nur noch 600 bis 700 Quadratkilometer reduziert worden - westlich von Australien.

Hintergrund: Suche ohne Erfolg

Insgesamt 239 Menschen befanden sich im März 2014 an Bord der Boeing 777 mit der Flugnummer MH370, darunter zwölf Besatzungsmitglieder. Heute gilt der Vorfall als eines der größten Rätsel in der Luftfahrt. Mit militärischen Radar-Informationen konnte inzwischen festgestellt werden, dass die Maschine von ihrem geplanten Kurs abgewichen war. Eine rund 68.500 Quadratkilometer große Fläche wurde inzwischen als potenzielles Absturzgebiet ermittelt. Für die Suche investierten die Länder Malaysia, China und Australien rund 141 Millionen US-Dollar. Kuala Lumpur setzte zudem einen Finderlohn in Höhe von 70 Millionen US-Dollar für das Auffinden der Maschine aus. Dennoch blieben alle Bemühungen bis heute ergebnislos.

Theorien und Spekulationen

Das Verschwinden inspirierte viele Menschen zu Vermutungen, Theorien und Spekulationen über den Verbleib des Flugzeuges. Besonders umstritten sind die Theorien über mögliche Selbstmordabsichten des Piloten. Als wahrscheinlicher gilt, dass dem Flugzeug über dem Indischen Ozean der Treibstoff ausging und die Maschine abstürzte. Warum der Kurs allerdings manuell geändert wurde, ist nach wie vor unklar.

Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" vom 08.03.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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