Stille um Deutschlands Nationalparks

Stille um Deutschlands Nationalparks

Ein Interview mit Dr. Eick von Ruschkowski, Direktor der Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz

Audio: Kai Schmieding, Fotos: Horst Kasper, WDR/Laif/Heeb. Onlinefassung: Laszlo Mura   26.02.2019 | 08:50 Uhr

In den USA haben Nationalparks eine lange Tradition – in Deutschland werden sie kaum wahrgenommen. Dr. Eick von Ruschkowski, der Direktor der Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz, will das ändern. Im Gespräch mit SR 2-Moderaor Kai Schmieding vergleicht er die Lage in Deutschland mit der in Amerika: Jenseits des großen Teiches sieht er vor allem Infrastruktur und Finanzierung besser aufgestellt.

Dr. Eick von Ruschkowski, Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz (Foto: Privat)
Dr. Eick von Ruschkowski

Naturschutz

"Ich glaube, dass Nationalparks repräsentative Aushängeschilder des Naturschutzes sind", sagte Dr. Eick von Ruschkowski, der Direktor der Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz, im Gespräch mit SR-Moderator Kai Schmieding. Durch Nationalparks sieht er die Erhaltung großer Räume des Naturkapitals gesichert. Diese müssten allerdings richtig gekennzeichnet werden. Gerade in einem dicht besiedelten Land wie Deutschland sei es wichtig, dass "wir große, zusammenhängende Lebensräume sichern, weil viele Arten darauf angewiesen sind", meint der Akademie-Direktor.

Amerikas Nationalparks

In Amerika hätten viele Nationalparks "inzwischen eine über 100-jährige Geschichte", erklärte von Ruschkowski. Der "etwas verklärte Mythos der unberührten Natur" spiele in den USA eine große Rolle. Zudem seien die Parks in den Vereinigten Staaten extrem großräumig, so der Direktor der Toepfer Akademie für Naturschutz. Solche "Weiten" könne man "in Deutschland höchstens im Watt oder in den Alpen" vorfinden.

 (Foto: wdr/Laif/Heeb)
Nationalpark Yosemite, USA (Foto: WDR/Laif/Heeb)

Finanzierung in Deutschland

Von Ruschkowski diagnostiziert den deutschen Nationalparks eine chronische Unterfinanzierung. Das liege auch an fehlenden Eintrittsgeldern. Und deren Erhebung gestalte sich wegen der fehlenden Infrastruktur schwierig. Immerhin gebe es hierzulande keine Kassenhäuschen, die Wanderer und andere Naturfreunde beim Betreten eines Nationalparks passieren müssten. In den Vereinigten Staaten sei dies aus finanzieller Sicht besser gelöst. Für Deutschland schwebten ihm Finanzierungsmodelle vor, die auch die finanzielle Beteiligung des Bundes beinhalteten. Grundsätzlich aber benötige jeder Nationalpark genügend "Zeit und Raum".

Hintergrund

In den USA haben Nationalparks eine lange Tradition – in Deutschland werden sie kaum wahrgenommen. Dr. Eick von Ruschkowski, der Direktor der Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz, will das Image der Parks verbessern - und hat dafür eine Vergleichsstudie zur Akzeptanz des Nationalparks Harz und des Yosemite Nationalparks in den USA ins Leben gerufen.

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 26.02.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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