Warum Autos auch zum Teilen taugen

Warum Autos auch zum Teilen taugen

Ein Interview mit Gunnar Nehrke, dem Bundesverbandsgeschäftsführer für CarSharing

Audio: Katrin Aue, Foto: SR Fernsehen, Onlinefassung: Laszlo Mura   21.02.2019 | 07:55 Uhr

Einst von Idealisten erfunden, gewinnt CarSharing in Deutschland immer weiter an Popularität. Den neusten Zahlen zufolge soll es bundesweit schon knapp 2,5 Millionen Kunden geben. Wie wird sich der noch junge Markt entwickeln? SR-Moderatorin Katrin Aue hat beim Geschäftsführer des Bundesverbands für CarSharing, Gunnar Nehrke, nachgefragt. Der sieht durchaus gute Ansätze in der Politik, aber noch einige Probleme in ländlichen Regionen.

Luft nach oben

"Da ist noch viel Luft nach oben." Der Geschäftsführer des Bundesverbands für Carsharing, Gunnar Nehrke, sieht im SR-Interview noch viel Potenzial auf dem Markt. Er ist sich sicher, dass weiterhin viele Deutsche vom Konzept des Auto-Teilens zu überzeugen sind: "Gemessen an der Zahl der Führerscheinbesitzer, die wir in Deutschland haben, sind 2,5 Millionen ein Marktanteil von zwei Prozent."

Mit dem Vorurteil, Carsharing würde nur von jungen Leuten genutzt, die sich noch kein eigenes Auto leisten wollten, räumt Gunnar Nehrke auf: "Der Carsharing-Nutzer ist im Durchschnitt 35 bis 40 Jahre alt."

Gute Klima-Bilanz

Privat-PKW würden Studien zufolge vor und während der Nutzung von Carsharing abgestoßen. "Jedes Carsharing-Fahrzeug ersetzt in Großstädten zwischen acht und zwanzig PKW“, so Nehrke. Unterschiede sieht er zwischen den verschiedenen Carsharing-Arten: "Das sogenannte stationsbasierte Carsharing ist mehr verkehrsentlastend als die Freefloating-Systeme, aber entlasten tun sie alle." Freefloating - also die Option, Fahrzeuge mit dem Smartphone zu orten und nach Gebrauch an einem x-beliebigen Ort abstellen zu können - senke "die Verlässlichkeit der Verfügbarkeit ab", gibt Nehrke zu bedenken. "Deswegen schaffen in dem System auch nicht so viele Leute ihr eigenes Auto ab.“

Kleinere Unternehmen konkurrenzfähig

Sobald BMW und die Daimler AG ihre Pläne für ein gemeinsames Carsharing-Angebot in die Tat umsetzen würden, sieht der Bundesverbandsgeschäftsführer trotzdem keine großen Nachteile für kleinere Unternehmen: "Die Kleineren haben auf jeden Fall eine Chance, das ist regional sehr unterschiedlich", sagt Nehrke. In Berlin habe ein solches Unternehmen bereits eine Markt beherrschende Stellung erobert. In vielen der zurzeit 740 deutschen Carsharing-Standorte hätten kleinere Anbieter ohnehin gute Karten. Oft schickten diese größere Flotten ins Rennen als die Großen, so Gunnar Nehrke.

Was macht die Politik?

Im ländlichen Raum aber könne Carsharing derzeit kaum profitabel funktionieren und werde deshalb häufig durch ehrenamtliches Engagement ermöglicht, erläutert Nehrke. Von den Politikern wünsche er sich die Durchsetzung des bereits bestehenden Gesetzes, das mehr Stellplätze im öffentlichen Raum anstrebt. "Das ist extrem wichtig, weil gerade die stationsbasierten Systeme, die besonders verkehrsentlastend sind, 90 Prozent ihrer Fahrzeuge auf privaten Flächen stehen haben, also auf Tiefgaragen, Hinterhöfen. Da ist das Angebot für die Kunden gar nicht sichtbar.“ Gäbe es mehr Stellplätze im öffentlichen Raum, würden mehr Menschen darauf aufmerksam und könnten sich dafür interessieren, vermutet Nehrke.


Carsharing im Saarland
Audio [SR 2, Bettina Rau, 21.02.2019, Länge: 02:35 Min.]
Carsharing im Saarland

Ein Thema aus der Sendung "Der Morgen" vom 21.02.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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