Erschütterung über den Spiegel-GAU

Erschütterung über den Spiegel-GAU

Ein Gespräch mit dem Medienwissenschaftler Bernd Gäbler über den Fall des Spiegel-Reporters Claas Relotius

Audio: Katrin Aue, Foto: dpa/Christian Charisius   22.12.2018 | 15:30 Uhr

Für den Medienwissenschaftler Bernd Gäbler kann der Fall des Spiegel-Reporters Claas Relotius in seiner Dimension nur mit dem Skandal um die gefälschten Hitler-Tagebücher des Sterns in den 1980er Jahren verglichen werden. Gäbler plädiert im Gespräch mit SR-Moderatorin Katrin Aue für eine Aufarbeitung bestimmter Mechanismen im deutschen Journalismus.

Ausgerechnet das stets streng auf seine Seriosität und Glaubwürdigkeit pochende Nachrichtenmagazin Spiegel hat sich offenbar jahrelang von einem Mitarbeiter hinters Licht führen lassen: Dutzende der Reportagen des Spiegel-Autors Claas Relotius nahmen es mit der Wahrheit nicht so genau.

"Das ist Hitler-Tagbücher Zwei"

Für den Medienwissenschaftler Bernd Gäbler ein Fall, der in seiner Dimension nur mit dem Skandal um die gefälschten Hitler-Tagebücher des Sterns in den 1980er Jahren verglichen werden kann. "Ich war erschüttert", sagte Gäbler im Gespräch mit SR-Moderatorin Katrin Aue, "ich habe nicht damit gerechnet, dass es einen solchen Fälschungsskandal in diesem Ausmaß gibt".

Schärfere Trennung von Fakten und Meinungen

Gäbler plädiert für eine Aufarbeitung jener Mechanismen, die den medialen GAU beim Spiegel ermöglicht haben. Der Spiegel selbst müsse seine eigene Dokumentationspraxis unbedingt verbessern. Auch auf die Trennung von Fakten und Meinungen müsse wieder mehr Wert gelegt werden - nicht nur beim Spiegel, sondern ganz allgemein im deutschen Journalismus.


Die andere Perspektive:

Daniel Bouhs über den Fall des Spiegel-Reporters Claas Relotius
Schwere Schlappe für den SPIEGEL
Der Fall des Claas Relotius bedeutet einen schweren Schlag für die Glaubwürdigkeit des Hamburger Nachrichtenmagazins SPIEGEL, das sich selbst gerne darauf beruft, seine Artikel mithilfe der hauseigenen Faktencheck-Abteilung so streng zu prüfen wie kein anderes deutsches Medium sonst.


Hintergrund:

tagesschau.de
Betrugsfall beim "Spiegel"
Mehr als 50 Artikel schrieb Claas Relotius für den "Spiegel". Wie das Magazin nun selbst offenlegte, waren mehrere der teils preisgekrönten Geschichten manipuliert: Orte, Zitate oder Personen wurden frei erfunden.

Ein Thema aus der Sendung "MedienWelt" vom 22.12.2018 auf SR 2 KulturRadio.

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