Mit der Sau durch's Dorf

Mit der Sau durch's Dorf

Die Kolumne von Erik Heinrich

  18.09.2018 | 09:02 Uhr

Dass Säue durchs Dorf getrieben werden, das kennen wir ja aus der ein oder anderen politischen Debatte. Wie bei der Diskussion um Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen. Unser Kolumnist Erik Heinrich kennt das auch. Und zwar direkt aus dem Dorfleben...

Während Deutschland um Fassung ringt wegen einem Verfassungschef in schlechter Verfassung, haben wir auf dem Dorf ja ganz andere Sorgen: Eines Morgens stand die Preiskuh von Bauer Bruno auf der Weide, grellrot mit den Worten besprüht: Bruno hat mich lieb! Da denken Sie vielleicht: Naja, lustig. Aber bei uns im Dorf gab das reichlich Aufruhr. Denn hier auf dem Lande denkt sich mancher dabei: Hat Bruno seine Lieblingskuh womöglich ein wenig zu lieb? Und damit ist so eine Aufschrift schon infam.

Britta erzählte allen, die's wissen wollten oder nicht, hinter vorgehaltener Hand wer es war: der Klaus nämlich, ein dorfbekannter Stänkerfritze, der Bruno schon lange um die schönste Kuh weit und breit beneidet. Sie wisse das genau, erklärte Britta, alldiweil ihr Mann, den sie "Hase" zu nennen pflegt, eigentlich mitmachen wollte, um Bruno mal eins auszuwischen. Aber da war Britta strikt dagegen "Hase, sag' ich", sagt Britta, "Hase, du bleibst hier!"

Die Heidi, bei der eigentlich alle Dorfgerüchte zusammenlaufen, die aber merkwürdiger Weise trotzdem nie eine Ahnung hat, zweifelt in der Dorföffentlichkeit an Brittas Aussage. Ist Brittas Vorwurf authentisch? Wurde die Kuh echt mit der Parole angemalt? Und wenn ja, haben wir sie auch richtig gelesen? Könnte das Ausrufezeichen hinter "Bruno hat mich lieb!" vielleicht auch ein Fragezeichen gewesen sein? Und: gibt es die Kuh wirklich? "Mir liegen dafür keine belastbaren Belege vor, dass sie Kuh existiert", so Heidi.

Freddy, Heidis Mann, ist eigentlich dafür zuständig, Heidi ein wenig auf den Boden zurückzuholen, wenn sie abhebt. Doch Freddy meinte nur, sorry, Heidi wollte ihm alles erzählen, aber er hatte noch keine Zeit, sich ihren Bericht anzuhören, weil er im Bierzelt war. Und außerdem, so innerhalb weniger Tage, pflege er kein Urteil zu fällen, ob eine Kuh bemalt war oder nicht.

Bei der turbulenten Dorfversammlung hat dann der beschuldigte Klaus von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht und bloß blöde gegrinst. Als sich alle mächtig in den Haaren hatten, hat er dann aber doch was gesagt, nämlich, "da könnt ihr mal sehen, wie kaputt das System Heimatdorf ist! Wir schreien uns hier an, und alles nur wegen der blöden Kuh von einem Zugezogenen!" Da schlugen die Wellen erst richtig hoch. Der Klaus aber tat, als hätte er mit alldem nichts zu tun und rieb sich die Hände mit den Farbresten. So ist das also, dachte ich, wenn eine Sau durchs Dorf getrieben wird.

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 18.09.2018 auf SR 2 KulturRadio.

Artikel mit anderen teilen