Warum ein Umdenken so schwierig ist

Warum ein Umdenken so schwierig ist

Ein Gespräch mit der Sozialwissenschaftlerin Imke Hoppe über die Psychologie der Verhaltensänderung

Jochen Erdmenger / Onlinefassung: Rick Reitler   04.09.2018 | 06:25 Uhr

Warum fällt es uns so schwer, Verhalten zu ändern, dass uns selbst oder die Umwelt schädigt? Es liegt vor allem an im Alltag tief verwurzelten Routinen, zudem häufig an externen Barrieren oder auch an der Vorstellung, als einzelner ohnehin nichts ändern zu können, meint die Hamburger Sozialwissenschaftlerin Imke Hoppe im SR 2-Interview. Bewusstsein allein genüge jedenfalls nicht.

Wir müssen mehr Sport treiben, müssen weg vom Ressourcenverbrauch, weg von industriell erzeugten Lebensmitteln, vom Zucker, vom Tabak, vom Erdöl, wir müssen weniger konsumieren, dem Klima zuliebe weniger Auto fahren und überhaupt sehr viel sparsamer und nachhaltiger mit Mutter Erde umgehen...

Kluft zwischen Worten und Taten

Seit Jahrzehnten kennt jeder diese Forderungen. Und fast jeder würde sie auch unterschreiben. Warum aber führt die Einsicht in den seltensten Fällen zur Umkehr? Für die Hamburger Sozialwissenschatflerin Imke Hoppe liegt die Kluft zwischen Worten und Taten vor allem an im Alltag tief verwurzelten Verhaltensroutinen, an relativ schwer zu überwindenden externen Barrieren und auch an der Vorstellung, als einzelner ohnehin nichts ändern zu können.

"Handlungsrelevante Informationen"

Ist Aufklärungsarbeit in den Medien also überflüssig? Nicht unbedingt: "Solche Debatten zielen ja erstmal drauf, überhaupt ein Bewusstsein zu schaffen", meint Hoppe, "Bloß: Das bleibt dann eben kommunikativ auch dabei". Wolle man das höhere Problembewusstsein ins Alltagshandeln übersetzen, müsse "Kommunikation andere Dinge thematisieren, zum Beispiel handlungsrelevante Informationen darüber geben, welche Alternative im Alltag jetzt wirklich welche CO2-Erparnis, zum Beispiel, bewirken kann."


Hintergrund:

Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker
"Wir müssen ein neues Stück Bescheidenheit lernen"
Schon vor gut 50 Jahren präsentierte der "Club of Rome", eine Gruppe aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, angesichts der 1972er Ölkrise einen düsteren Ausblick auf die Zukunft der Menschheit. Heute ist ein Umdenken nötiger denn je, meint Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, der Ko-Präsident des Club of Rome. Im Gespräch mit SR 2-Moderator Jochen Erdmenger fordert er weniger Ressourcenverbrauch, ein Ende der Jagd nach dem Konsumwachstum und mehr Balance zwischen Mensch und Natur, Markt und Staat.

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 04.09.2018 auf SR 2 KulturRadio.

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