"Wir müssen unsere Schiedsrichter besser schulen"

SFV: "Wir müssen unsere Schiedsrichter besser schulen"

Ein Gespräch mit SFV-Präsident Adrian Zöhler über die Gewaltattacken gegen Fußball-Schiedsrichter

Stephan Deppen. Onlinefassung: Rick Reitler   30.08.2018 | 12:45 Uhr

Der Präsident des Saarländischen Fußballverbands (SFV), Adrian Zöhler, hat im SR-Interview für Montag ein Treffen zur Lösung des Problems von Gewaltattacken gegen Schiedsrichter angekündigt. Für deren Sicherheit seien allerdings die gastgebenden Vereine zuständig, nicht der SFV, stellte Zöhler klar. Der Spielbetrieb sei unterdessen nicht gefährdet.

Archivbild: SFV-Präsident Adrian Zöhler im Interview (Foto: Martin Breher/SR)
Archivbild: SFV-Präsident Adrian Zöhler im Interview


Viele saarländische Fußball-Schiedsrichter sind ziemlich sauer auf den Saarländischen Fußballverband (SFV): Nachdem vor wenigen Tagen ein Referee aus Weiskirchen krankenhausreif geschlagen worden war, hatte SFV-Geschäftsführer Andreas Schwinn die Gewalttat als "absolute Ausnahme" heruntergespielt - eine krasse Fehleinschätzung aus Sicht der Schiris. Denn besonders bei unterklassigen Spielen und im Nordwestsaarland sollen körperliche Attacken schon öfter vorgekommen sein. Ehrenamtler aus dem Kreis Westsaar haben bereits laut darüber nachgedacht, ein Wochenende lang zu "streiken".

Vorerst kein Schiri-Streik

SFV-Präsident Adrian Zöhler bemühte sich im SR-Interview, die Wogen zu glätten: Der Vorfall von Weiskirchen sei "in dieser Form kein Einzelfall" gewesen, gab Zöhler zu. Das Problem der Gewaltattacken gegen Unparteiische sei in den unteren Ligen sogar in ganz Deutschland zu beobachten. Trotzdem werde der Spielbetrieb am kommenden Wochenende aufrecht erhalten werden - nach seinem Kenntnisstand sei ein Schiri-Streik nicht zu befürchten.

Vereine verantwortlich

Am Montag, 2. September, sollen bei einem Treffen der "Schiedsrichterbehörde" und ihrer Gremien über Lösungen gesprochen werden, versprach Zöhler. Er selbst wolle sich für bessere Schulungsmaßnahmen zur Früherkennung und zum Auftreten der Unparteiischen auf dem Platz einsetzen.

Der Verband verfüge aber nicht über genügend Personal, um jedem Schiedsrichter in den unteren Ligen eine Begleitperson zum Schutz an die Seite zu stellen. "Brauchen wir allerdings auch nicht", sagte Zöhler, "denn hier sind auch unsere Vereine gefordert". Die gastgebenden Vereine seien aufgrund der regulären Durchführungsbestimmungen der Spielordnung, Paragraf 46, ohnehin für die Sicherheit der Referees verantwortlich, betonte Zöhler.

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Ein Thema der Sendung "Bilanz am Mittag" vom 30.08.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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