"Ideen haben ist im Grunde leicht"

"Ideen haben ist im Grunde leicht"

Ein Interview mit Eberhard Kübel, Chefredakteur der Zeitschrift Innovations-Forum

Audio: Holger Büchner / Onlinefassung: Rick Reitler   29.08.2018 | 07:45 Uhr

Das Problem beim Erfinden liegt weniger in mangelnder Kreativität, sondern darin, ein Produkt bis zur Marktreife zu entwickeln und dann einen erfolgreichen Vertrieb aufzubauen, meint Eberhard Kübel, der Chefredakteur der Zeitschrift "Innovation Forum". Speziell in Deutschland fehle es zudem an Risikobereitschaft. Ein SR 2-Interview.

"Ideen haben ist im Grunde leicht, eine Idee auf den Markt zu bringen als Erfindung, ist eine ungeheuer schwere Sache". Eberhard Kübel, der Chefredakteur der Zeitschrift Innovations-Forum, ließ im Gespräch mit SR 2-Moderator Holger Büchner keinen Zweifel daran, dass es mit Kreativität alleine nicht getan ist, wenn man Erfolg haben will. "Man muss ein Funktionsmodell entwerfen, man muss einen Prototyp bauen, man muss einen Produzenten finden", erklärte Kübel.

"Eine Erfindung ist in der Regel eine Lösung für Probleme, die im Alltag auftauchen, wo der Nutzer sagt: 'Das müsste doch auch besser gehen'."

Frauen "unterrepräsentiert"

Offenbar haben es Frauen dabei besonders schwer. Dass nur ungefähr acht bis zwölf Prozent der Patentanmeldungen in Deutschland und Europa von Frauen stammten oder Frauen zumindest daran beteiligt seien, führt Kübel auf mehrere Faktoren zurück: Manchmal trauten sich Frauen selbst nichts zu oder würden - häufig von ihren Partnern - "runtergemacht". Zudem seien Frauen in technischen Bereichen "unterrepräsentiert". Es gebe allerdings "verschiedene Initiativen", um Frauen zu mehr Erfindergeist zu motivieren, beispielsweise die Aktion "Made by Women" seines Magazins Innovations-Forum.

Wenig Risikobereitschaft

Speziell in Deutschland, einen an Ingenieuren und Kreativen traditionell noch immer reichen Land, fehle es zudem an Risikobereitschaft von Kapitalgebern oder Produktionspartnern, um einer Erfindung eine Chance am Markt zu geben. "An Ideen mangelt es nicht; es mangelt auch nicht an Ideen, die zum Schutz angemeldet wurden", stellte Kübel klar, "das Schwierige ist einfach die Verwertung, und da steht Deutschland sicherlich relativ schlcht da, nach dem Motto: 'Wir wollen kein Risiko eingehen'."


Das Magazin INNOVATIONS-FORUM wird herausgegeben vom Deutschen Erfinder-Verband e.V.

Internet: www.deutscher-erfinder-verband.de


Über eine Jahrhundert-Erfindung:

Glosse
Zipp, Zipp, hurra! 125 Jahre Reißverschlüsse
Einige tausend Jahre lang hielt die Menschheit ihre Felle oder Kleider mit Schnüren, Nadeln, Ösen oder Knöpfen zusammen - doch dann kam 1893 der amerikanische Ingenieur Whitcomb Judson auf die Idee, kleine Stahlplättchen an den Säumen aufzureihen... zipp, zipp, der Reißverschluss war erfunden! Ein humorvoller Rückblick von Helmut Fritz.

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 29.08.2018 auf SR 2 KulturRadio.


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