Deutschland will mehr für Völkermord-Nachkommen tun

Deutschland will mehr für Völkermord-Nachkommen tun

Wie umgehen mit der deutschen Schuld am Völkermord an Herero und Nama?

Peter Weitzmann / Onlineversion: Fleur Geppert-Gasper, Rick Reitler   31.07.2018 | 13:40 Uhr

Während der deutschen Kolonialzeit hatte das Deutsche Reich im heutigen Namibia die Stämme der Herrero und Nama nahezu ausgerottet. Seit zweieinhalb Jahren verhandeln die deutsche und die namibische Regierung nun schon über einen fairen Weg der gemeinsamen Vergangenheitsbewältigung. Zunächst aber muss ein New Yorker Gericht noch über die Klage von Opfer-Nachkommen entscheiden.

Weil Opfervertreter bislang nicht an den Gesprächen der deutschen und namibischen Regierung beteiligt wurden, haben Vertreter der Interessen der Herrero und Nama die deutsche Bundesregierung in New York verklagt.

Aus Sicht der Bundesregierung ist allerdings die namibische Regierung verantwortlich für die Auswahl ihrer Verhandlungspartner. Das Verfahren in New York sehe man skeptisch: Es gehe nicht um eine Rechtsfrage bei dem Umgang mit der Vergangenheit, sondern um eine politisch-moralische Angelegenheit, erklärte Ruprecht Polenz, der Beauftragte der Bundesregierung für die Gespräche mit Namibia.

"Respektlos gegenüber den Opfern"

Der Linken-Abgeordnete Niemar Movassat bezeichnete das Verhalten der Bundesregierung als "Respektlosigkeit" gegenüber den Opfern. Das Verfahren würde von Seiten der Bundesregierung nicht ernst genommen und man sei "dabei, da noch mehr Porzellan zu zerbrechen“. Er glaube auch nicht, dass es den Opfervertretern um individuelle persönliche Entschädigungen gehe, sondern um allgemeine Strukturhilfen für die Region, in der die Nachfahren der Herero und Nama heute lebten. Noch immer sei diese eine der ärmsten Regionen des Landes, erklärt Movassat.

Verzögerungen zu erwarten

Dass die Folgen des Völkermordes bis heute spürbar seien, gibt auch Polenz zu. Er kündigte bereits mehr finanzielles Engagement an: Deutschland wolle für bessere Bildung, mehr Wohnraum, eine bessere lokale Stromversorgung und Unterstützung in Sachen Landwirtschaftsreform sorgen.So lange aber das Gerichtsverfahren in New York noch nicht abgeschlossen sei, würden die Verhandlungen erst einmal stagnieren, erklärte Polenz.

Hintergrund: Kolonialzeit

Während der deutschen Kolonialzeit hatte das Deutsche Reich im heutigen Namibia die Stämme der Herrero und Nama nahezu ausgerottet. Seit zweieinhalb Jahren verhandeln die deutsche und die namibische Regierung nun schon über einen fairen Weg der gemeinsamen Vergangenheitsbewältigung.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Der Nachmittag" vom 31.07.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.


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