Deutschlands "grünes Gewissen" wird 80

Deutschlands "grünes Gewissen"

Der "grüne" CDU-Politiker Klaus Töpfer wird 80

Peter Weitzmann   29.07.2018 | 21:15 Uhr

Der ehemalige deutsche Umweltminister Klaus Töpfer hat am Sonntag seinen 80. Geburtstag gefeiert. Der CDU-Politiker war nach Auffassung von SR-Politikredakteur Peter Weitzmann einer der Hauptakteure bei der Umsetzung entscheidender internationaler Klimaschutzabkommen, die bis heute die Grundgesetze der Umweltpolitik ausmachten. Seine Motivation fand Töpfer nach eigenen Worten während seiner Aufenthalte in Afrika.

Rio de Janeiro im Jahr 1992. Auf dem sogenannten Erdgipfel sind Vertreter aus 178 Ländern erschienen. Ihr Ziel: eine Politik die Umweltschutz und Entwicklung verbindet. "Nachhaltigkeit" ist das Wort der Stunde. Und dafür, dass der Gipfel am Ende ein Erfolg wird, ist der deutsche Umweltminister, Klaus Töpfer, die entscheidende Gestalt. So sieht es heute einer seiner Nachfolger im Amt, der Grüne Jürgen Trittin: "Klaus Töpfer hat am Ende Tages mit dafür gesorgt, dass zwei zentrale Abkommen auf den Weg gebracht wurden. Das waren das Klimarahmenabkommen und die Konvention über die biologische Vielfalt. Das sind bis heute die Grundgesetze der internationalen Umweltpolitik."

Viele Innovationen

Alleine das ist eine große Hinterlassenschaft. Aber es sind Veränderungen, die Töpfer in seiner Amtszeit zwischen 1987 und 1994 angestoßen hat. Sei es das weltweit erste FCKW-Verbot, der Schutz von Nord- und Ostsee oder die Verpackungsverordnung, die das Müllrecycling in Schwung gebracht hat.

Kritik erntete Töpfer damals vor allem, wenn es um die Atomkraft ging. Mit Weisungen konterkarierte er die Anti-Atom-Politik grüner Landesminister wie Joschka Fischer, auch wenn er selbst das Ziel einer Zukunft ohne Kernenergie ausgab.

Video [aktueller bericht am Sonntag, 29.07.2018, Länge: 3:23 Min.]
80. Geburtstag von Klaus Töpfer

Der "Rheinfall"

Und dann war da ja noch die PR-Panne im Mai 1988, als Töpfer den Rhein durchschwamm. Weil er eine Wette verloren hatte, versichert er noch heute. Aber wegen vorangegangener Chemieunfälle hatten die Bilder des Ministers im Neoprenanzug damals eine ganz andere Wirkung, wie die wenig freundliche Anteilnahme der Bevölkerung belegte.

Töpfer: "Wenn Du das in Mainz gemacht hast und dann gehst Du zur nächsten Karnevalssitzung und da steht so ein Büttenredner da und schreit in diesen vollgefüllten Saal 'Warum hatten wir das Fischsterben im Rhein?' und der ganze Saal brüllt wie aus einer Kehle 'Weil Töpfer durchgeschwommen ist', dann weißt Du, Dein politisches Schicksal ist echt gefährdet.“

Töpfers Blick auf Afrika

Klaus Töpfer überstand es, ohne gesundheitliche und mit leichten politischen Schäden. Nach einer Zwischenstation als Bundesbauminister, wo er unter anderem den Regierungsumzug nach Berlin zu organisieren hatte, und zwei Wahlniederlagen gegen Oskar Lafontaine im Kampf um das Amt des saarländischen Ministerpräsidenten zog es Töpfer mit 60 Jahren nach Afrika. 1998 wurde er Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen in Nairobi. Eine menschlich wie politisch bereichernde Zeit. "Ich hätte nie so ein Gefühl etwa für erneuerbare Energien entwickelt, wäre ich nicht acht Jahre in Afrika gewesen, wo ich gesehen habe, dass dort wirtschaftliche Impulse, die dringlich notwendig sind, um die Armut zu überwinden und den Menschen die Heimat zu lassen, dafür braucht man Energie", sagte Töpfer. "Und wir haben nur gesagt, welche Energie sie nicht nutzen sollen. Sie sollen keine großen Dämme bauen, weil die Natur kaputt geht; sie sollen keine Kohle abbauen, weil das Klima kaputt geht; sie sollen bitte kein Öl usw. Indira Gandhi hat mal so schön gesagt: 'Die entwickelten Länder warnen die Entwicklungsländer immer vor den Methoden die sie reich gemacht haben' - und da ist was Wahres dran."

Und auch mit 80 Jahren kann Klaus Töpfer schnell zornig werden - gerade wenn es darum geht, wie wir im Norden auf die Menschen im Süden und deren Probleme schauen. Ein schlechtes Beispiel für ihn war da der Asylstreit in der Union.

Töpfer: "Es ist eine Schande, dass wir für diese Menschen nur dann ein Auge haben, wenn sie bei uns an der Grenze stehen und nicht fragen 'Wo sind die Ursachen? Was tun wir denn eigentlich? Wo haben wir denn selbst solche Ursachen veranlasst? Wie sieht denn das aus?'. Wenn Sie mal ein bisschen in der Geschichte zurückgehen, dann wissen Sie welche Probleme wir dort hinterlassen haben. Und jetzt tun wir so, als kämen da irgendwelche Bettler zu uns gelaufen. Nein, ich sehe das als empörend an und ich muss ganz ehrlich muss sagen, dass ich herzhaft dankbar war, dass in diesem Falle die Kanzlerin Angela Merkel gestanden hat."

Lob von Kramp-Karrenbauer

Eine klare Ansage an die eigene Partei, die heute aber auch weiß, was sie Klaus Töpfer zu verdanken hat. CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer schätzt Klaus Töpfer eben auch als Querdenker und  dafür, dass er in der CDU bleibende Akzente gesetzt hat: "Diese Hinwendung eben auch zum Thema 'Bewahrung der Schöpfung', zum Thema 'Nachhaltigkeit‘, vor allen Dingen aber auch der Ansatz, dass sich marktwirtschaftlicher Ansatz und Umweltschutz nicht ausschließen muss, sondern dass sich das eben auch ergänzt", erinnert sich Kramp-Karrenbauer, "und vor allen Dingen in den letzten Jahren, insbesondere seit seiner Arbeit auch in Afrika, wirklich auch das Werben dafür, über den eigenen Tellerrand zu schauen. Das ist etwas, was mit seinem Namen verbunden ist, und das haben wir ihm zu verdanken."

Auf der Suche nach einem Atommüllendlager

Und auch künftig dürfte Klaus Töpfer nicht so schnell langweilig werden, denn noch immer ist er politisch aktiv, unter anderem mal wieder bei einem äußerst umstrittenen Thema, als Vorsitzender des nationalen Begleitgremiums bei der Suche nach einem Atommüllendlager.

Über dieses Thema wurde u. a. in der Sendung "Der Morgen" vom 27.07.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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