Warum Europas Wälder brennen

Warum Europas Wälder brennen

Ein Gespräch mit dem Diplom-Forstwissenschaftler Peter Hirschberger

Katrin Aue / Onlinefassung: Rick Reitler   24.07.2018 | 17:55 Uhr

Nicht nur das trockene Sommerwetter kostet Menschen und Bäume in Europas Wäldern das Leben: Speziell in Griechenland sei wegen der ungeklärten Rechtsverhältnisse und des Sparkurses für Behörden und Feuerwehr auch Brandstiftung eine mögliche Ursache, meint der Forstwissenschaftler Peter Hirschberger im SR 2-Interview. Kriminelle Spekulanten könnten von abgebrannten Grundstücken profitieren.

Meteorologen erwarten für das Saarland in dieser Woche Temperaturen von bis zu 38 Grad Celsius, und das trockene Hochsommerwetter soll auch in weiten Teilen Rest-Europas vorerst anhalten. In Griechenland, Schweden und Lettland ist die erhöhte Waldbrand-Gefahr bereits Realität geworden.

Brandstiftung kann sich lohnen

Peter Hirschberger (Foto: Privat)
Peter Hirschberger


Dabei sei es nicht nur die Natur, die Tod und Unglück bringe, erklärte der Diplom-Forstwissenschaftler Peter Hirschberger im Gespräch mit SR 2-Moderatorin Katrin Aue: Brandstiftung sei gerade in Griechenland "ein großes Problem", weil sich für kriminelle Immobilienspekulanten bei ungeklärten Grundstücksverhältnissen und Behördenverantwortlichkeiten die Zerstörung des Waldes lohnen könnte - gerade in der Nähe von Ferienorten. Zudem sei der Sparkurs der griechischen Regierung "im Zuge der Finanzkrise" längst auch bei der Feuerwehr angekommen.

Für natürliche Waldbestände

Zumindest einen gewissen Schutz vor Waldbränden böten naturbelassene Wälder, sagte Hirschberger. "Angepasste, natürliche Waldbestände" seien weniger anfällig und erholten sich auch schneller, wenn es doch einmal zu einem Brand kommen sollte. Deshalb solle man auf die "Erschließung von Waldgebieten" für die menschliche Nutzung besser verzichten: "95 Prozent der Waldbrände weltweit werden von Menschen verursacht", so der Forstwissenschaftler. Um Schäden im Nutzwald von vorneherein gering zu halten, sollten entsprechende Feuerschneisen angelegt werden.


Mehr zum Thema:

Panorama
Jost sieht Saarland für Waldbrände gerüstet
Umweltminister Reinhold Jost sieht das Saarland für mögliche Waldbrände gut gerüstet. Für Deutschland befürchten Experten hingegen, dass die Feuerwehren im Ernstfall nicht vorbereitet und nur unzureichend ausgerüstet seien.

tagesschau.de
Dutzende Tote bei Waldbränden nahe Athen
Rund um Athen wüten schwere Waldbrände, mindestens 24 Menschen sterben in den Flammen. Löschkräfte sind im Dauereinsatz, der Zivilschutz fordert Hilfe an. Premier Tsipras spricht von einer "schweren Nacht".

Panorama
Es wird heiß im Saarland
Wer kann, sollte die nächsten Tage im Freibad, am Baggersee oder ganz entspannt und möglichst bewegungslos im eigenen Garten verbringen - denn es wird heiß im Saarland und in Rheinland-Pfalz. Meteorologen erwarten in dieser Woche Temperaturen von über 35 Grad.

Über dieses Thema wird in der Sendung "Bilanz am Abend" vom 24.07.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

Artikel mit anderen teilen