"Unter Zwanziger als Präsident wäre sowas nicht passiert"

"Unter Zwanziger als Präsident wäre sowas nicht passiert"

Ein Interview mit dem freien Sportjournalisten Jens Weirich

Stephan Deppen / Onlinefassung: Rick Reitler   23.07.2018 | 12:40 Uhr

Der Sportjournalist Jens Weirich ist davon überzeugt, dass der Fall Özil zumindest DFB-Chef Reinhard Grindel "davonfegen" wird. Auch DFB-Manager Oliver Bierhoff und sogar Bundestrainer Joachim Löw könnten am Ende ihre Posten verlieren - so stark sei die Wucht der ganzen Geschichte. Ein SR 2-Interview.

"Jetzt steht man wirklich vor 'nem Trümmerhaufen". Der freie Sportjournalist Jens Weirich hat im SR 2-Interview zum Rücktritt von Mesut Özil aus der Fußball-Nationalmannschaft nicht nur das Verhalten der beiden türkisch-stämmigen Spieler Özil und Ilkay Gündogan kritisiert, sondern auch die Bild-Zeitung und vor allem den Deutschen Fußball Bund scharf für seine "Janusköpfigkeit" angegriffen.

"Ich glaube nicht, dass Grindel sich halten kann"

"Ich glaube, diese Geschichte wird Grindel und vielleicht auch Bierhoff und Löw davonfegen", sagte Weirich mit Blick auf DFB-Chef Reinhard Grindel, DFB-Manager Oliver Bierhoff udn Bundestrainer Joachim "Jogi" Löw. Die Causa Özil besitze inzwischen eine solche "Wucht", dass jeder sich täusche, der noch glaube, dass die Sache "noch einzudämmen" sei. Er, Weirich, glaube deshalb nicht, dass Grindel sich werde halten können.

Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Grindel sei zudem "politisch ein CDU-Rechtsausleger", unter dessen Präsidentschaft "der DFB schon lange nicht mehr den gesellschaftlichen Fokus hat wie beispielsweise noch unter Theo Zwanziger. Also, unter Zwanziger als Präsident wäre sowas nicht passiert", sagte Weirich.

"Weit zurückgeworfen"

Die ganze Angelegenheit spiegele allerdings letztlich ein "gesamtgesellschaftliches Problem" wider, dessen Wurzeln viel tiefer reichten. "Das, was man glaub' ich konstatieren kann, ist, dass wir da weit zurückgeworfen sind".


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Nach monatelangem Schweigen hat Mesut Özil, die bisherige Nummer 10 der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, am 22. Juli seinen Rücktritt aus dem deutschen Team erklärt. In einer Online-Botschaft warf er DFB-Chef Reinhard Grindel Inkompetenz, Rassismus und mangelnden Respekt vor seinen türkischen Wurzeln vor. Außerdem übte der Erdogan-Anhänger Kritik an Medien und DFB-Sponsoren. Für ARD-Sportreporterin Julia Büchler sollte der Fall Özil "uns schon alle auch zum Nachdenken bringen".

Reaktionen:

Der Rücktritt von Fußballprofi Özil aus der Nationalelf hat eine Debatte über die Akzeptanz von Menschen mit Migrationshintergrund ausgelöst. Bundesjustizministerin Katarina Barley twitterte, es sei ein Alarmzeichen, wenn ein großer deutscher Fußballer sich in seinem Land wegen Rassismus nicht mehr gewollt und vom DFB nicht mehr repräsentiert fühle. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Widmann-Mauz, sagte, bei allem Verständnis für die familiären Wurzeln müssten sich Nationalspieler Kritik gefallen lassen, wenn sie sich für Wahlkampfzwecke hergäben. Politiker von SPD und Grünen forderten DFB-Präsident Reinhard Grindel zum Rücktritt auf.

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Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Der Morgen" vom 23.07.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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