Mobilfunklöcher sind toll!

Habe kein Netz!

Warum Mobilfunklöcher etwas Tolles sind

Denise Dreyer   13.07.2018 | 08:46 Uhr

Die Bundesregierung und die Mobilfunkanbieter wollen Abhilfe schaffen gegen die zahlreichen noch bestehenden Mobilfunklöcher im deutschen Netz. Am Donnerstag wurde in Berlin über einen Aktionsplan beraten. SR 2-Reporterin Denise Dreyer findet aber, dass die Nichterreichbarkeit auch ein hohes Gut ist. Warum also nicht einfach das Funkloch pflegen?

"Kein Netz haben" oder "keinen Balken haben" gehören zu den Top-Redewendungen in Deutschland. Unser beliebter Verkehrsminister Andreas Scheuer hat nun die bescheuerte Idee, es sei des Bürgers vornehmste Pflicht zu melden, wenn kein Netz da ist, sondern ein Funkloch. Schrecklich genug, dass Lokalpolitiker heftig mit dem Kopf nicken und die Aktion unterstützen, die sie für überfällig und alternativlos halten. Motto: Trump macht das ja auch: immer und in jeder Lebenslage der Welt mitteilen, was er gerade nicht überdenkt und nicht reflektiert.

Und es ist tatsächlich so, das Scheuer und andere Minister ein ums andere Mal aufs platte Land reisen und Mobilfunkmasten einweihen. Jene Masten, die uns die letzten geschützten Räume wegnehmen. Denn, so erreichen uns Meldungen: im Schutz der Funklöcher kann man ungestört im Garten arbeiten und das mit total dreckigen Fingern! Man kann gediegen Klavier üben, sich vom Kind die Heisenbergsche Unschärferelation erklären lassen und die Würstchen auf dem Grill wenden.

Es ist zwar noch nicht wissenschaftlich erwiesen, aber die Strahlung von diesen Masten soll krank machen und die Nachtruhe beeinträchtigen. Andererseits toben dann vor allem Männer, wenn sie keinen Balken haben. Viele Frauen finden das wiederum ziemlich entspannend. Und so rufen wir auf, zu Lichterketten und Flashmobs, wider den Ausbau des schnellen Netzes und hoffen, dass das Wort des Jahres 2018 und aller folgenden Jahre unsere Lieblingsausrede sein wird: "Habe kein Netz!"

Über dieses Thema wurde in der Sendung "Der Morgen" vom 13.07.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

Hintergrund:

tagesschau.de
Ziele des Mobilfunkgipfels: Weniger Funklöcher, schnelleres Netz
Infrastrukturminister Scheuer will Mobilfunklöcher beseitigen. Eine halbe Million Haushalte sollen zusätzlich ans Netz angeschlossen werden. Die Opposition kritisierte eine "visionslose Digitalpolitik".

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