Yoga macht das Ego groß

Yoga macht das Ego groß

Ein Interview mit dem Psychologen Prof. Jochen Gebauer von der Uni Mannheim

Gabi Szarvas / Onlinefassung: Martin Breher   04.07.2018 | 15:02 Uhr

Yoga, Pilates, Chi Gong und andere Meditationstechniken stärken das Ego und führen zu Selbstüberschätzung. Das ist das Ergebnis einer Studie des Psychologen Prof. Jochen Gebauer vom Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung. Im SR 2-Interview mit Jochen Erdmenger erklärt er, dass Selbstüberschätzung aber keinesfalls negativ sei.

Über 14 Wochen hat Prof. Jochen Gebauer und sein Team vom Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung der Universität Mannheim Yoga-Praktizierende begleitet und diese alle zwei Wochen vor und nach den Übungen Fragebogen zur Selbsteinschätzung ausfüllen lassen. Dabei wollte er die These überprüfen, ob durch das Yoga die Selbstüberschätzung geringer wird, so wie das von vielen klassischen Yoga-Philosophien angenommen werde. Doch die Studie widerlegt diese These.

Alle überdurchschnittlich?!

Prof. Jochen Gebauer vom Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (Foto: Elisa Berdica/Universität Mannheim)
Prof. Jochen Gebauer vom Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung

Die meisten Befragten waren der Meinung, dass sie die Übungen überdurchschnittlich gut gemeistert hätten - was statistisch gesehen aber nicht sein könne, da es auch Leute geben müsse, die schlechter als der Durchschnitt seien, erklärt Gebauer. Besonders stark war der Effekt in den Befragungen nach den Übungen. Daraus schließt Gebauer, dass die Selbstüberschätzung der Probanden durch Yoga zugenommen habe.

Für das eigene Ego seien diese "positive illusions" aber etwas Gutes. Denn auch in seiner Studie erkenne man positive Effekte von Yoga auf der Wohlbefinden der Probanden, sagt Gebauer im SR 2-Interview.

Selbstüberschätzung nicht negativ

"Aus psychologischer Sicht ist das nicht überraschend", so Gebauer. Bereits seit 1988 wisse man, "dass Selbstüberschätzung nichts Negatives ist". Auch wenn Selbstüberschätzung in der Gesellschaft oft negativ konnotiert sei, gehe es Menschen, die sich selbst überschätzen psychisch besser als Menschen, die sich unterschätzen oder sich genau richtig einschätzen, so der Wissenschaftler.

Ein Grund für die erhöhte Selbstüberschätzung sei unter anderem der Stellenwert von Yoga im Leben der Befragten. Durch die Ausführung hätte der Stellenwert der Übungen bei den Befragten zugenommen, und damit steige auch die Wahrscheinlichkeit, sich zu überschätzen, meint der Psychologe: "Wenn mir was wichtig ist, dann überschätze ich mich da tendenziell eher drin, und wenn mit etwas egal ist, dann hat es auch wenig mit meinem Selbstwert zu tun, und dementsprechend überschätze ich mich da auch wenig".

Über dieses Thema wurde in der Sendung "Der Nachmittag" vom 04.07.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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