"Wir schaffen die Verkehrswende nicht, ohne dem Autofahrer weh zu tun"

"Wir schaffen die Verkehrswende nicht, ohne dem Autofahrer weh zu tun"

Ein Interview mit dem Verkehrsexperten Martin Randelhoff

Sally-Charell Delin / Onlinefassung: Martin Breher   04.06.2018 | 15:33 Uhr

Mobilität ist in vielen Städten noch immer eine Einbahnstraße. Sie ist oft fast ausschließlich vom Auto her gedacht. Im SR 2-Interview erklärt der Mobilitätsexperte Martin Randelhoff, der für seinen Blog mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichnet wurde, was für eine Mobilitätswende nötig ist.

Das Problem sei oft gar nicht der Verkehr in der Stadt selber, so Verkehrsexperte Martin Randelhoff im Gespräch mit SR 2-Moderatorin Sally-Charell Delin, sondern der Verkehr im Umland. Dort müsste der ÖPNV, also der öffentliche Personennahverkehr, attraktiver werden, um die Leute zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu bewegen. Dazu sei es zum Beispiel nötig, dass mehr Parkplätze an den Umsteigepunkten geschaffen werden, um die Anbindung einfacher zu gestalten.

Kosten sind nicht entscheidend

Mobilitätsexperte Martin Randelhoff (Foto: Pressefoto/Patrick Johannsen)
Mobilitätsexperte Martin Randelhoff

Der oft geforderte "kostenlose ÖPNV" sei nur ein Faktor, um die Leute zum Umsteigen zu bewegen, meint Randelhoff. Viele anderen Faktoren seien jedoch weitaus wichtiger als die Kosten. Zum Beispiel die Reisezeit: Um diese ähnlich attraktiv wie beim eigenen Auto zu machen, sei es nötig, die Taktung zu verdichten und die Geschwindigkeit der Fortbewegungsmittel zu erhöhen.

"Zur Wahrheit gehört auch: Wir schaffen die Verkehrswende nicht, ohne dem Autofahrer etwas weh zu tun", sagt Randelhoff. Das bedeute unter anderem, Flächen umzuverteilen und "Verkehre langsamer zu machen". Denn Geschwindigkeit sei "der Garant dafür", dass die Verkehrsmenge wachse, und das führe zu Stau, so der Verkehrsforscher.


Veranstaltungstipp:

DIE STADT VON MORGEN
Mobilität der Zukunft - wie ist Saarbrücken unterwegs?
Vorträge und Diskussion

Eine Veranstaltungsreihe der Arbeitskammer des Saarlandes in Kooperation mit der Landeshauptstadt Saarbrücken zum Verkehrsentwicklungsplan 2030.

Regionalzüge (Foto: Axel Burmeister/SR)

Zeit:
Dienstag, 5. Juni 2018
18.30 Uhr

Ort:
Arbeitskammer des Saarlandes
Fritz-Dobisch-Str. 6-8
66111 Saarbrücken

Der Eintritt ist frei.
Um Anmeldung wird gebeten unter:
www.vep.saarbruecken.de


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Am Dienstag ist die Nutzung von Bussen, der Saarbahn und von Nahverkehrszügen in der zweiten Klasse den ganzen Tag kostenlos. Dafür müssen sich Nutzer zuvor allerdings ein Ticket per E-Mail zusenden lassen.

Über dieses Thema wurde in der Sendung "Der Nachmittag" vom 04.06.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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