"Das Internet muss weg" - Gespräch mit dem Blogger Schlecky Silberstein

"Das Internet muss weg"

Gespräch mit dem Blogger Schlecky Silberstein

Interview: Kai Schmieding / Onlinefassung: Benjamin Morris   09.03.2018 | 16:20 Uhr

Schlecky Silberstein alias Christian Brandes ist einer der bedeutendsten Blogger in Deutschland. Mit seinen ironisch-humorvollen Lebensäußerungen nimmt er gerne den Wahnsinn im Internet aufs Korn und erzielt damit eine enorme Reichweite. Ausgerechnet er hat jetzt ein Buch mit dem Titel "Das Internet muss weg" veröffentlicht. SR 2-Moderator Kai Schmieding hat mit ihm über sein internet-kritisches Sachbuch gesprochen.

Seine Verhältnis zum Internet vergleicht Schlecky Silberstein alias Christian Brandes "mit einer langen, unglücklichen Beziehung": "Ich war mal total verliebt, ich habe von den Möglichkeiten profitiert und damit auch viel Geld verdient, aber wir haben uns in den letzten Jahren ganz gewaltig auseinandergelebt."

Plötzlich fallen mir nur noch die negativen Aspekte auf

Selbst ein Produkt des Internets, habe seine Liebe zum Internet seit dem Jahr 2015 immer wieder Dämpfer bekommen. "Der Rechtsruck in der kompletten vernetzen Welt" und die Zunahme stressbedingter Depressionen in seinem Umfeld seien erste Aspekte gewesen, die bei ihm zu einem Umdenken geführt hätten.

Wir werden abhängig gemacht

"Das Grundproblem ist die Tatsache, dass wir von Facebook und Google sehr professionalisiert dazu gezwungen werden, immer wieder in Interaktion zu treten". Im Zuge des Daten-Kapitalismus werde zu aggressiv nach dem Rohstoff Daten gebohrt: "Facebook und Google bohren nach dem Rohstoff „Daten“ in unseren Gehirnen. Das ist ungesund."

Mittlerweile werde man "permanent mit Interaktionsanreizen bombadiert". Die Fülle an Falschinformationen im Internet und der "Goldrausch nach Daten" seien weiterer problematischer Aspekt am Internet.

Fake-Fake-News-Portal ins Leben gerufen

Er selbst hatte direkt nach der Wahl Trumps zum US-Präsidenten ein Fake-Fake-News-Portal ins Leben gerufen. Die Wirkung erzählt viel über das, was das Netz heute ausmacht. Der sogenannte Mosel Kurier, ein vermeintlich rechtes Leit-Medium, habe versucht, klassische Fake-News-Seiten zu imitieren. "Das so infam und unglaubwürdig wie möglich", erklärt Silberstein.

Dieses Experiment war zu erfolgreich

Am Ende seien allerdings selbst "die infamsten Dinge" geglaubt worden. "Eigentlich ganz klar satirische Inhalte wurden von anderen als vermeintliche echte Nachrichten verkauft." erklärt Silberstein im SR 2-Interview. Letztlich war er selbst vom Erfolg seines Fake-News-Experiments überrascht.

Wenn genügend Leute gleichzeitig skeptisch werden, dann kommt es auch zu Veränderungen.

Trotz all der Kritik am Internet und am Daten-Kapitalismus sei sein Buch allerdings kein Plädoyer für einen kompletten Verzicht auf die schillernde Netzwelt. Man könne zwar aufgrund der großen Abhängigkeit vom Internet nicht einfach sein Verhalten ändern, aber man könne verstehen, wie der Daten-Kapitalismus funktioniere. Das sei auch der Anspruch seines Buches gewesen. Es gehe ihm darum skeptisch zu werden: "Wenn genügend Leute gleichzeitig skeptisch werden, dann kommt es auch zu Veränderungen."

Das Buch

Schlecky Silberstein - Das Internet muss weg (Foto: Knaus)

Das Internet muss Weg - eine Abrechnung

272 Seiten
ISBN: 978-3-8135-0794-2
Preis: € 16,00
Verlag: Knaus
Erscheinungsdatum:  05.03.2018

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Der Nachmittag" vom 09.03.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.

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