Nato: Russland "größte Bedrohung für Frieden und Sicherheit"

Russland "größte Bedrohung für Frieden und Sicherheit"

Nato-Gipfel in Madrid

Kai Clement   30.06.2022 | 12:48 Uhr

Als "hirntot" hat der französische Präsident Macron die NATO noch vor drei Jahren bezeichnet. Das ist vorbei. Beim Gipfel in Madrid zeigt sich das Bündnis quicklebendig und entschlossen. Muss es auch, angesichts der Aggression aus Moskau. ARD-Korrespondent Kai Clement beobachtet den Gipfel und zieht im SR2-Interview Bilanz.

Vom 28. bis 30. Juni 2022 tagt die Nato in Madrid. Generalsekretär Jens Stoltenberg und US-Präsident Joe Biden sprachen von einem "historischen" Gipfel. ARD-Korrespondent Kai Clement hat das Treffen beobachtet und spricht im SR2- Interview von "dramatischen Veränderungen". Dazu gehört, dass seit 12 Jahren wieder ein neues Sicherheitskonzept beschlossen wurde. Darin heißt es, die Welt sei "umkämpft und unvorherrsehbar" und Russland sei "die größte und unmittelbarste Bedrohung für Frieden und Sicherheit im Euro-Atlantischen Raum".

"Immense Aufgabe für die Bundeswehr"

Für Clement wird deutlich, dass die Nato in ganz neuen Dimensionen denke. Die neue Sicherheitsstrategie sieht unter anderem eine Vergrößerung der schnellen Einsatzkräfte von bisher 40.000 auf 300.000 Soldatinnen und Soldaten vor. Für das neue Sicherheitskonzept hat Deutschland 15.000 Krräfte zusätzlich zugesichert, außerdem 65 Flugzeuge und 20 Schiffe. Durch diese Entscheidung stehe die Bundeswehr aus Sicht von Clement vor einer "immensen Aufgabe". Schließlich habe sie sich seit Ende des Kalten Krieges immer weiter verkleinert und sei derzeit "nicht besonders gut aufgestellt".

Auf den bevorstehenden Beitritt von Schweden und Finnland zur Nato äußerte sich der russische Präsident Wladimir Putin wie schon in den vergangenen Wochen: Ein Beitritt an sich sei kein Problem, neue Waffen oder Truppenverbände allerdings schon. Außerdem warf er der Nato "imperiale Ambitionen" vor.

noch weitere Herausforderungen

Doch nicht nur Russland war Thema auf dem Gipfel. In dem neuen Sicherheitskonzept wird China zwar nicht direkt als Bedrohung bezeichnet, dafür aber als Herausforderung für die Sicherheit und Werte des Bündnisses. Zusätzlich bekommt der Klimawandel ein eigenes Kapitel, in dem er als "prägende Herausforderung der Zeit" bezeichnet wird. Für Clement ist der Zusatz "Bedrohungsmultiplikator" besonders interessant, da damit anerkannt wird: Wenn der Klimawandel fortschreitet, verschärfen sich auch andere Krisen wie zum Beispiel Nahrungsmittelknappheit.

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