Screenshot der Website zur App Hustlesasa (Foto: Screenshot Hustlesasa)

Hustlesasa - neue App für Afrikas Musiker

Antje Diekhans   15.01.2023 | 16:00 Uhr

Musikerinnen und Musiker weltweit wissen ein Lied davon zu singen, wie schwierig es ist, im Netz mit der eigenen Musik Geld zu verdienen. In der Regel fließen lediglich Cent-Beträge. Und: Bands aus Europa und den USA erhalten mehr Tantiemen als afrikanische. Darum haben afrikanische Künstler Hustlesasa entwickelt, frei übersetzt „Los geht‘s“. Gestartet in Kenia, soll die App die Musikindustrie auf dem Kontinent umkrempeln.

Ein Konzertabend in Nairobi, auf der Bühne Sauti Sol. Die Band ist schon seit mehr als zehn Jahren im Musikgeschäft erfolgreich. Viele in Kenia können ihre Lieder mitsingen. Die vier Bandmitglieder brauchen sich um Geld keine Sorgen zu machen, im Gegensatz zu anderen Künstlerinnen und Künstlern in Kenia.

Warten auf das Geld

Auch hier sind wegen der Corona-Pandemie viele Veranstaltungen ausgefallen. Musik über Internetplattformen anzubieten, das konnte die Verluste nicht wettmachen, gerade weil afrikanische Bands zum Beispiel bei Youtube benachteiligt werden, wie Bien-Aimé Baraza von Sauti Sol erzählt.

Neue Musik-App für afrikanische Künstler: Hustlesasa
Audio [SR 2, Antje Diekhans, 15.01.2023, Länge: 03:12 Min.]
Neue Musik-App für afrikanische Künstler: Hustlesasa

„Es dauert, bis du überhaupt Dein Geld bekommst“, sagt er. „Vor allem wird Musikerinnen und Musikern aus Ostafrika weniger gezahlt als Bands aus anderen Teilen der Welt.“

Weniger als Künstler aus Europa und den USA

Auch wenn ihre Videos auf Youtube Tausende von Malen geklickt werden, bekommen die Macher in Kenia umgerechnet nur wenige Euro. Auf Plattformen wie Spotify ist es nicht besser, meint Sänger Charisma, der versucht, mit Afropop erfolgreich zu sein. „Die meisten Nutzer wissen das nicht. Sie zahlen zum Beispiel sechs Dollar im Monat für ihre Musik und nehmen an, dass ein großer Teil davon bei den Interpreten landet. Aber die Wahrheit ist: Selbst wenn du nur einen Dollar verdienen willst, musst du auf eine hohe Anzahl von Streams kommen.“

App für Musik, Tickets, Fanartikel

Er verkauft seine Titel wie „Love me“ jetzt lieber über eine App, die speziell für afrikanische Künstlerinnen und Künstler entworfen wurde. Sauti Sol hat sie zusammen mit Leuten aus der jungen Tech-Industrie in Kenia entwickelt. Sie heißt Hustlesasa, frei übersetzt: „Los geht's“.

Die App sei einfach zu nutzen, meint Charisma. Und er kann darüber auch Konzerttickets oder Fanartikel verkaufen. „Du kannst auf der Plattform alles machen, was du willst. Und die Prozente, die du bekommst, sind der Wahnsinn. Hustlesasa will, dass die Künstler verdienen. Du merkst meistens noch nicht mal, dass sie die etwas abgezogen haben.“

Ausweitung geplant

Die App ist kostenlos. Nur wenn die Musiker ihr Geld abheben, zahlen sie pro Buchung umgerechnet knapp einen Euro. Den Preis für seine Songs kann Charisma selbst festlegen. Hustlesasa will den Anbietern so viel Freiheit wie möglich geben.

Sänger Bien-Aimé Baraza von Sauti Sol setzt sich dafür ein, dass die App auch in anderen afrikanischen Ländern an den Start geht. „Wir sprechen mit Künstlern auf dem ganzen Kontinent, zum Beispiel in Ghana und Südafrika. Mit der App haben wir die Macht in unseren Händen.“

Das sieht auch Charisma, so. Die Musikindustrie in Afrika müsse sich emanzipieren, meint er. „Wir werden in dieser Industrie nur Erfolg haben, wenn wir die Zwischenhändler ausschalten. Mein Traum ist, dass wir noch mehr Entwicklungen wie Hustlesasa haben, die es für die Künstler leicht machen.“

Über dieses Thema hat auch die SR 2-Sendung Canapé vom 15.01.2023 berichtet.

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