Euroradio Christmas Music Day 2022 (Foto: Waldemar Blazej Nowak / EyeEm)

White Christmas

Die abenteuerliche Geschichte eines Weihnachtsklassikers

Elena Griepentrog  

Der amerikanische Weihnachtsklassiker „White Christmas“ war ein halbes Jahrhundert lang die meistverkaufte Single aller Zeiten. Es gibt ihn heute als Countryvariante, Swing, Partymusik, oder Kinderlied, dazu in fast allen erdenklichen Sprachen – von Japanisch bis Suaheli. Ausgerechnet ein jüdischer Komponist war es, der das erfolgreichste Weihnachtslied aller Zeiten geschrieben hat: Irving Berlin. Mit einer durchaus traurigen Lebensgeschichte. Elena Griepentrog hat für uns nachgeforscht.

1888 in Sibirien geboren

White Christmas - der Inbegriff des amerikanischen Weihnachtsliedes, gesungen vom Inbegriff des guten Amerikaners, Bing Crosby. Doch die Geschichte dieses Liedes beginnt weit entfernt von den USA: in Sibirien. Hier soll 1888 Israel Baline geboren sein, als Sohn des jüdischen Kantors Moses Baline und seiner Frau Lea. Israel ist fünf, als sein Elternhaus abbrennt, angezündet vom judenfeindlichen russischen Mob. So macht sich die Familie Baline schließlich auf in die neue Welt. Sie landen im Einwanderer-Ghetto Lower East Side in New York. Ein armseliges Leben. Doch Israel findet neue Freunde, katholische Iren, so Michelle Marly, Autorin des biografischen Weihnachts-Romans „White Christmas“.

Dort lernte er schon als Kind das Weihnachtsfest kennen. Mit dem Baum und den Lichtern und die Lieder, die gesungen wurden, das fand er schön und wie das in dieser irischen Familie zelebriert wurde, das gefiel ihm.


Audio

Die Geschichte von "White Christmas"
Audio [SR 2, Elena Griepentrog , 22.12.2022, Länge: 03:47 Min.]
Die Geschichte von "White Christmas"


Schicksalsschläge reißen nicht ab

Doch das eigene Leben bleibt hart. Nach dem Tod seines Vaters verlässt Israel mit 14 Jahren die Familie. Schlägt sich als Kellner und Straßensänger durch, in Eckkneipen bringt er sich selbst das Klavierspielen bei, schreibt erste Songs. Und aus dem orthodoxen russischen Juden Israel Baline wird schließlich der amerikanische Hitkomponist Irving Berlin. Privat allerdings reißen die Schicksalsschläge nicht ab. Seine erste Frau stirbt bald nach der Hochzeit. 1928 dann, ausgerechnet an einem Weihnachtsfest, drei Wochen nach der Geburt seines Sohnes.

Dieses Kind wurde am Morgen des 25. Dezember von dem Kindermädchen tot im Bett aufgefunden. Man würde heute von dem Begriff plötzlicher Kindstod ausgehen.

Über 400 Top-Hits

Wie von Sinnen komponiert Irving Berlin einen Top-Hit nach dem anderen, insgesamt über 400. 1937 gelingt ihm dann sein erfolgreichster: White Christmas, die amerikanische Weihnachtshymne.

Entstanden ist White Christmas an einem Pool in Los Angeles. Es ist die Sehnsucht eines Mannes nach der weißen Weihnacht. Also hier sind Palmen, die Wiesen sind grün, die Sonne scheint, alles ist bunt, aber das ist eigentlich nicht so das, was ich mir erträume, ich wünsche mir die weißen Weihnachten und den Lichterglanz und Mistelzweige und so was herbei.

1942 kommt "White Christmas" heraus

Nichts Christlich-Religiöses enthält der Text, ein weihnachtlicher Schmachtfetzen. Doch seine Wirkung ist ernster als gedacht. Denn „White Christmas“ kommt 1942 heraus. Für die heimwehkranken US-Soldaten in Europa wird White Christmas zum Symbol des guten, amerikanischen Lebens: Schnee, Idylle, Landleben. Und nach dem Krieg erobert der Song die ganze Welt.

Irving Berlin stirbt erst 1989, als steinreicher Mann im Alter von 101 Jahren.


Ein Thema in der Sendung "Der Vormittag" am 22.12.2022 auf SR 2 KulturRadio.

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