"Wirklich großes Kino" auf dem Grünen Hügel

"Wirklich großes Kino" auf dem Grünen Hügel

Eine Opernrezension von Bernhard Neuhoff

Onlinefassung: Rick Reitler  

Zum Auftakt der Wagner-Festspiele in Bayreuth gab's am 25. Juli Wagners Oper "Der fliegende Holländer". Kritiker Bernhard Neuhoff hat die Inszenierung durch Dmitri Tcherniakov nur mäßig gefallen - großes Lob aber gab's für Asmik Grigorian und Georg Zeppenfeld auf der Bühne und für Oxana Lyniv am Dirigentenpult.

Seit dem 25. Juli 2021 ist der Grüne Hügel in Bayreuth wieder Treffpunkt für Wagner-Fans aus aller Welt. Zum ersten Mal in der Geschichte stand zum Auftakt mit Wagners Oper "Der fliegende Holländer" eine Frau am Pult des Bayreuther Festspielorchesters - die ukrainische Dirigentin Oxana Lyniv. Die habe ein "großartiges" Bayreuth-Debüt" abgeliefert, meint Kritiker Bernhard Neuhoff: "straff, energetisch, auf den Punkt ".

Lob und Tadel

Großes Lob hat Neuhoff auch für Georg Zeppenfeld in der Rolle des Daland und für Asmik Grigorian als Senta übrig, während John Lundgren als Holländer "etwas dumpf" klinge. Wenig angetan war Neuhoff auch von der Inszenierung des Stoffs durch Regisseur Dmitri Tcherniakov als "ein Schauerdrama ohne Gespenster, eine Matrosenoper ohne Meer und Mastkorb", das Tcherniakov irgendwo in einer nordeuropäischen Provinz angesiedelt habe. Der russische Regisseur habe zwar durchaus sein Talent als "Geschichtenerzähler" gezeigt, seine "Thriller-Schmonzette" aber wirke "willkürlich draufgeklatscht auf Wagners Ideendrama", so Neuhoff.

"Musikalisch unter die Haut"

Musikalisch gehe der "szenisch eher belanglose Thriller" allerdings "unter die Haut". "Wirklich großes Kino" auf dem Grünen Hügel, so Neuhoffs Fazit.


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 26.07.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Foto ganz oben zeigt Schaulustige am 25. Juli 2021 vor dem Festspielhaus auf dem Grünen Hügel in Bayreuth (Foto: picture alliance/dpa | Daniel Karmann).

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