Amateurmusikszene kämpft für Öffnungsperspektive

Amateurmusikszene kämpft für Öffnungsperspektive

Ein Beitrag von SR-Reporter Chris Ignatzi

Onlinefassung: Rick Reitler   31.03.2021 | 07:15 Uhr

Millionen Amateurmusizierende gibt es in Deutschland, viele von ihnen sind in Vereinen organisiert. Ihre Verbandsvertreter fordern dringend eine Öffnungsperspektive - zumindest für Proben. SR-Reporter Chris Ignatzi hat einige Stimmen zusammengetragen.

Der seit Monaten andauernde Lockdown stößt in der deutschen Musikszene sowohl bei den Profis als auch bei den Amateuren auf immer weniger Gegenliebe. Die Verbände, die für die 14 Millionen Amateurmusizierenden in Deutschland zuständig sind, fordern inzwischen dringend, dass wenigstens Proben wieder stattfinden dürfen.

"Der Kitt unserer Gesellschaft"

Björn Jakobs, der Saarlouiser Kreisdirigent des Bundes deutscher Musikvereine, geht davon aus, dass in den nächsten zehn Jahren ein Drittel aller Musikvereine in Deutschland nicht mehr spielen wird. Damit werde ein Großteil des "Kitts unserer Gesellschaft" und viel soziales Engagement verloren gehen - fatal besonders für die Jugend.

"Bestandteil des Zusammenhalts"

Benjamin Strasser (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Benjamin Strasser (Archivfoto: Pasquale D'Angiolillo)

Benjamin Strasser, der Präsident des Bundesverbands Chor und Orchester, sieht das ähnlich: Die Musik dürfe nicht nur als "ein reines Freizeitvergnügen" betrachtet werden, sondern sei vielmehr "ein elementarer und wichtiger Bestandteil des Zusammenhalts in unserer Gesellschaft". Er sieht das Problem vor allem darin, dass sich der Wert von Kultur nicht in Zahlen messen lasse.

Nicht hinter Amateursport zurückbleiben

Auch Prof. Martin Maria Krüger, der Präsident des Deutschen Musikrats, kämpft gegen das in weiten Teilen Deutschlands herrschende Konzertprobenverbot: Er fordert unter Hinweis auf Studien des Max-Planck-Instituts ein Öffnungsszenario, das mit den Regelungen für den Sport vergleichbar sein soll.

Thomas Kronenberger  (Foto: BZVS)
Thomas Kronenberger (Foto: BZVS)

Thomas Kronenberger vom Bund für Zupf- und Volksmusik Saar arbeitet mit Mitteln der Initiative "Neustart Kultur" an Konzepten für die Wiederaufnahme der Probenarbeit von Musikvereinen mit.

Sie alle sehen nun die Politik am Zug.


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 31.03.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Archivbild ganz oben zeigt Mitgliederinnen und Mitglieder des Saarbrücker Herrenchors bei einer Freiluft-Probe im Juli 2020 (Foto: SR Fernsehen).

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