Dirigent Christoph Poppen über seine Corona-Quarantäne

Christoph Poppen über seine Corona-Quarantäne

Ein Gespräch mit Christoph Poppen, dem ehemaligen Chefdirigenten der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern

Gabi Szarvas  

Am 9. März feiert der frühere DRP-Chefdirigent Christoph Poppen seinen 65. Geburtstag. Er sitzt seit Wochen in einem Hongkonger Hotel in obligatorischer Corona-Quarantäne. SR-Musikredakteurin Gabi Szarvas hat kurz vor seinem Ehrentag mit ihm u. a. über die Lage vor Ort, in der Welt und in Deutschland gesprochen.

Fünf Jahre war er hier in Saarbrücken zu Hause, als erster Chef der Deutschen Radio Philharmonie: Christoph Poppen Inzwischen lebt er mit seiner Frau Juliane Banse und drei Kindern am Starnberger See, ist der DRP aber noch immer eng verbunden. Im Dezember war er erst das letzte Mal hier in der Region.

Zurzeit in Quarantäne

Am 9. März feiert er seinen 65. Geburtstag - festgesetzt in einer obligatorischen Quarantäne und mit einem elektronischen Armband augestattet in einer Hotelsuite mit Blick aufs Meer in Hongkong. Dort harrt er seit Wochen bei bester Gesundheit aus.

"Persönlich das Positive nutzen"

Er habe ganz persönlich vom ersten Tag an versucht, das Positive aus dieser Situation zu nutzen", sagte Poppen im Gespräch mit SR-Musikredakteurin Gabi Szarvas. Nun sei er zwar "nicht eingesperrt", dürfe aber "nicht 'raus". In Hongkong seinen die Vorschriften noch strikter. Allerdings seien die Konzertsäle in Hongkong seit etwa zehn Tagen wieder geöffnet: Bei siebeneinhalb Millionen Einwohnern gebe es nur zwischen 9, 12, 13, oder 14 "Neuinfektionen pro Tag". Er fürchte, dass er wie alle Menschen vor Ort demnächst wieder werde mit Maske arbeiten müssen. Das aber sei "immer noch besser als gar nichts", so Poppen.

Er selbst nutze die viele freie Zeit, um beispielsweise wieder einmal Geige zu üben. Für diese neue Erfahrung sei er "dankbar". Persönlich wolle er nicht klagen: Er fühle sich für sein Orchester in Hong Kong verantwortlich, "und deshalb bin ich hier", sagte Poppen.

"Eine Katstrophe für die Musikwelt"

Was aber "insgesamt" passiere, sei "schrecklich" und "natürlich wirklich 'ne Katastrophe für die Künstler, für die Musikwelt." Besonders schlimm für die Musikbranche sei die mangelnde Planbarkeit: "Wir wissen ja überhaupt nicht mehr, was nächsten Monat stattfindet, und das ist gerade für Künstler eine sehr, sehr eigene Situation".

Kritik an deutscher Regierungspolitik

Von einem internationalen Standpunkt aus betrachtet sei die Corona-Krise in anderen Ländern außerhalb Deutschlands "doch sehr viel besser gehandhabt worden, auch das ganze Konzertleben", stellte die Vielflieger fest: "In Deutschland ist es einfach besonders schlimm politisch verantwortet".

Kein Gedanke ans Aufhören

An seinen Ruhestand denkt er noch lange nicht: "Das würde zu meinem ganzen Lebensgefühl überhaupt nicht passen. Im Gegenteil: Ich fühl' mich so gut, dass ich mir durchaus vorstellen kann, die nächsten 20 Jahre auch noch weiter auf der Bühne zu stehen", sagte Poppen, "ich bin körperlich fit und im Kopf geht's mir auch noch ganz gut".

Die neue CD von Christoph Poppen:

Heut' ist der schönste Tag
Tenor Hits der 1930er von Richard Tauber, Hans May, Franz Grothe, Ernst Fischer, Teodoro Cottrau u. a.

Martin Mitterrutzner, Tenor
Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern
Dirigent: Christoph Poppen
Label: Naxos

Veröffentlichung voraussichtlich am 12. März 2021


Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" am 09.03.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Christoph Poppen bei einer Konzertaufführung (Archivfoto: SR).

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