Orchestervereinigung fordert wieder mehr Publikum

Orchestervereinigung fordert wieder mehr Publikum

Die Deutsche Orchestervereinigung fordert einheitliche, lockerere Regeln für die Maximalzahl von Konzertbesuchern

Gabi Szarvas. Onlinefassung: Rick Reitler   16.09.2020 | 07:15 Uhr

Die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) hat die unterschiedlichen Corona-Regeln der Bundesländer für die Maximalzahl von Konzertbesuchern kritisiert. Solche Beschränkungen seien "keinem vermittelbar", während sich die Menschen in Bussen und Bahnen "zu hundert Prozent Auslastung" drängelten, kritisierte DOV-Geschäftsführer Gerald Mertens im SR.

Die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) hat einen Brief an die 13 Ministerpräsidenten jener Bundesländer geschickt, die strengere Corona-Vorschriften für Konzertveranstaltungen haben als zum Beispiel Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Berlin. Die Musikerinnen und Musiker fordern einheitliche und großzügigere Regeln, um "das Verantwortbare zu ermöglichen".

Auflagen nicht mehr "vermittelbar"

"Es ist keinem vermittelbar, dass man sich im ÖPNV oder in der Deutschen Bahn zu hundert Prozent Auslastung drängelt, und im Konzertsaal - wo 'ne direkte Nachverfolgung, wo ein geordnetes Besuchermanagement möglich ist - soll das also nicht gehen. Das kann keiner mehr verstehen", kritisierte Gerald Mertens, der Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung, im Gespräch mit SR-Musikredakteurin Gabi Szarvas.

"Schaut auf andere Bundesländer, wo es geht und wo auch die Infektionszahlen nicht steigen!", forderte Mertens. Immerhin gebe es bereits jetzt "ganz, ganz viele Maßnahmen, die mehr Publikum im Saal ohne Gesundheitsgefährdung möglich" machten - wie zum Beispiel der Verzicht auf Konzertpausen.

Insolvenzgefahr bei den Privaten

Bei manchen Orchestern, für die die Einnahme-Ausfälle inzwischen an die Existenzgrundlage gingen, lägen schon jetzt "die Nerven blank". "Wir sehen in der Tat eine Insolvenzgefahr bei den privaten Veranstaltern", erklärte Mertens, "zum Ende des Jahres oder spätestens Anfang des nächsten Jahres. Das ist ein echtes Problem." Seine große Hoffnung sei, "dass die Länder ihre Infektionsschutzverordnungen überarbeiten und dann diesen Bereich speziell berücksichtigen".

Starke Unterschiede in den Ländern

Im Saarland dürfen nach den Vorgaben des Gesundheitsamts sowohl in der Saarbrücker Congresshalle als auch im Großen Sendesaal des SR - zwei der wichtigsten Auftrittsorte der Deutschen Radio Philharmonie - aktuell nur Einzelstühle besetzt werden, die einen Abstand von jeweils drei Plätzen haben müssen. Das bedeutet für die Congresshalle, dass momentan 1052 von 1200 Plätzen leer bleiben müssen; im Großen Sendesaal dürfen nur 58 statt 330 Konzertbesucher herein gelassen werden.

Zum Vergleich: In Bayern liegt die Obergrenze für Konzerte bei 200, in NRW schon länger bei 1000. Auch Berlin, Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern haben weniger strenge Auflagen als das Saarland.

Der Große Sendesaal im Funkhaus Halberg (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Der Große Sendesaal im Funkhaus Halberg ist normalerweise für 330 Konzertbesucherinnen und -besucher ausgelegt (Foto: Pasquale D'Angiolillo)


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Ein Thema u. a. in der Sendung "Der Morgen" vom 16.09.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt die Deutsche Radio Philharmonie bei einer Orchesterprobe in der Saarbrücker Congresshalle (Foto: Chris Ignatzi).

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