Musik-Experte: Deutschland wird Sampling-Recht anpassen müssen

Musik-Experte: Deutschland wird Recht anpassen müssen

Ein Gespräch mit dem Musikwissenschaftler Frédéric Döhl über das aktuelle EuGH-Urteil zum Musik-Sampling

Sally Charell Delin   29.07.2019 | 15:00 Uhr

Aus Sicht des Musikwissenschaftlers Frédéric Döhl muss die Rechtslage in Deutschland zum Thema Sampling von Musikstücken "nochmal komplett neu aufgestellt" werden. Im SR-Interview sagte Döhl, das deutsche Recht sei nach dem aktuellen Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) nicht mit Unionsrecht vereinbar.

Komplexe Rechtslage

Für das Sampling selbst bedeute der EuGH-Entscheid nur Nuancierungen: Das "Mikrosampling" solle unter Verweis auf die Kunstfreiheit erlaubt sein, dafür dürfe der Sample aber im neuen Stück nicht mehr erkennbar sein, betonte Döhl. Falls doch, könne das Zitatrecht als Rechtfertigung dienen - allerings wiederum nur unter der Bedingung, dass ein direkter Bezug zum alten Stück bestehe.

Kraftwerk vs. Moses Pelham

Der EuGH hatte am 29. Juli entschieden, dass es klare Bedingungen für das Sampling von Musik geben müsse. Das Gericht hatte es mit einem seit Jahrzehnten schwelenden Streit zwischen der Elektronik-Band Kraftwerk und dem Musikproduzenten Moses Pelham zu tun, die sich nicht darüber einigen konnten, wie weit das Zitatrecht auf "gesampelte" Musikstücke anwendbar ist - oder eben nicht.

tagesschau.de: Hintergrund
EuGH setzt Musik-Sampling enge Grenzen
Kunstfreiheit oder ein Verstoß gegen das Urheberrecht? Im Rechtsstreit zwischen Kraftwerk und dem Hiphop-Produzenten Moses Pelham hat der EuGH ein Grundsatzurteil gefällt. Das Gericht stärkte Pelhams Position, legte aber auch klare Bedingungen für das Sampling von Musik dar.

Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" vom 29.07.2019 auf SR 2 KulturRadio.