Ende und Neuanfang: Wie war der erste "Opus Klassik"?

Wie war der erste "Opus Klassik"?

Ein Gespräch mit SR 2-Musikchefin Bettina Taheri-Zacher

Steffen Kolodziej   15.10.2018 | 15:20 Uhr

Der Musikpreis "ECHO" wurde im April eingestellt, nachdem zahlreiche Preisträger ihre Trophäen zurückgegeben hatten. Grund waren die antisemitischen Beiträge der Rapper Kollegah und Farid Band und deren Auszeichnugen mit dem Preis. Für den Bereich Klassik gibt es nun einen Nachfolger, der "Opus Klassik". SR 2-Musikchefin Bettina Taheri-Zacher war bei der ersten Verleihung in Berlin dabei und berichtet bei Steffen Kolodziej über das Event.

Steffen Kolodziej: Die Preisvergabe des Pop-Echo an Kollegah und Farid Bang hatte viele Künstler bewogen, ihre Preise zurückzugeben. Darunter auch Preisträger aus dem Bereich Klassik. In der Folge waren dann alle Echos eingestellt worden, Pop, Jazz und Klassik. Und der Klassik-Echo, der musste sich ganz schnell neu erfinden - warum eigentlich?

MusikWelt
Klassikstars auf dem Roten Teppich
Diana Damrau und Juan Diego Flórez sind die beiden besten Sänger des Jahres - meint die Jury des Opus Klassik 2018. Barbara Wiegand berichtet für die SR 2-MusikWelt über die Gala vom 14. Oktober im Konzerthaus Berlin.

Bettina Taheri-Zacher: Ja, der Klassik-Echo heißt jetzt "Opus" und vielleicht lag es daran, dass die Bewerbungen für das Jahr 2018 schon vorlagen und das Auswahlverfahren schon im Gang war. Andererseits wurde nach dem Aus des POP-Echo auch nicht schnell an einer Alternative für den Jazz-Echo gearbeitet, der schließlich schon Ende Mai vergeben werden sollte. Vielmehr denke ich ist es für die Klassik-Welt wichtig, dass es derartige Preisverleihungen gibt, in denen die Leistungen gewürdigt werden und die so viele Menschen erreichen. Wir bekommen nicht so viele Sendeplätze im ZDF und auch auf anderen Kanälen, um solche Preisverleihungen zu übertragen. Schließlich gibt es nirgends eine vergleichbare Vielfalt oder Orchester- und Musikerdichte wie bei uns.

Was ist denn jetzt neu beim Opus Klassik? Eine Jury gab's im Gegensatz zum Echo Pop ja auch schon vorher beim Echo Klassik…

Ja, die Jury gab es schon immer. Der Preis richtet sich also nicht wie beim Pop-Echo nach Verkaufszahlen. Was den gestrigen OPUS angeht war wahrscheinlich aus zeitlichen Gründen auf den ersten Blick gar nichts neu. Die Gala wurde wie schon häufig aus dem Konzerthaus Berlin gesendet. Es spielte das Konzerthausorchester und Thomas Gottschalk moderierte.

Neu war der musikalische Auftakt: Filmmusik von Erich Wolfgang Korngold aus Captain Blood ("Unter Piratenflagge"). Früher wurde jahrelang immer die Polonaise aus Tschaikowskys Oper Eugen Onegin gespielt, wo wir alle immer schon dachten: "Gähn! Da könnte doch mal was musikalisch Neues passieren". Das liegt aber wahrscheinlich eher an personellen Veränderungen beim ZDF.

Also es gab keine großen Veränderungen für dieses Jahr, aber es sind durchaus Veränderungen für das nächste Jahr geplant, und zwar wird es neue Schwerpunkte im Bereich Festival und Live-Mitschnitte geben.

Wie nah konnte man den ausgezeichneten Künstlern denn kommen? Der eine oder andere dürfte sich doch darauf gefreut haben, bei Eintrittspreisen ab 160 Euro, dem ein oder anderen Künstler vielleicht die Hand schütteln zu können?

Albrecht Mayer (Foto: Ben Ealovega)
Albrecht Mayer

Man kommt den Künstlern schon sehr nah. Das ist jetzt nicht so wie bei einem Pop-Award, wo überall lauter Security-Leute rumstehen, und deswegen kommt man schon in Kontakt mit den Künstlern auf dem roten Teppich oder davor oder anschließend bei der Gala. Ich selbst habe lange mit dem Solooboisten der Berliner Philharmoniker Albrecht Mayer oder mit der Nachwuchsflötistin Katrin Christians gesprochen. Also man kommt den Künstlern nah. Aber wenn man hingeht und denkt, man kann alle sprechen, dann kann die Erwartung nicht erfüllt werden.

Und wie hat sich Thomas Gottschalk als Moderator gemacht? Der kommt ja eigentlich eher weniger aus dem Bereich Klassik, sondern vielmehr aus dem Bereich Klassik-Rock?

Ich muss sagen er wird immer besser. Nein, Spaß! Er ist natürlich ein toller Entertainer und Moderator und ich finde er macht das ganz toll. Früher hat er manchmal noch Künstlernamen falsch ausgesprochen oder in seinen Zwischenmoderationen Witze auf Kosten der Klassiker gemacht. Das kam nicht bei jedem gut an. Da wird er aber gesetzter, das macht er nicht mehr so in der Form, jedenfalls gestern Abend nicht. Aber was seine Liebe zur Klassik angeht, da gibt es schon Synergien, er ist ein großer Klassik-Fan, er ist zum Beispiel auch im Aufsichtsrat der Los Angeles Opera und deswegen ist er auch eine gute Besetzung für den Opus Klassik.

Und wer hat bei Ihnen jetzt wirklich einen bleibenden Eindruck hinterlassen?

Diana Damrau (Foto: Michael Tammaro)
Diana Damrau

Also überraschenderweise, da hab ich nicht damit gerechnet, "4 Times Baroque", das Nachwuchsensemble, das gestern aufgetreten ist. Tolle Performance, ganz große Musik. Junge Musiker, von denen wir bestimmt noch weiter hören werden. Außerdem: Diana Damrau, Sängerin des Jahres. Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie die Frau auf den Punkt singen kann. So eine Fernsehaufzeichnung ist ja doch kein Konzert, das ist ja doch eine andere Situation, und das dann so abzurufen, da verdient sie meinen größten Respekt. Und natürlich Christa Ludwig, die gestern mit 90 den Opus Klassik für Ihr Lebenswerk entgegengenommen hat. Also wenn man mit 90 noch so fit und eloquent, das ist schön zu sehen!

Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" vom 15.10.2018 auf SR 2 KulturRadio.

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