Gespräch mit Preisträgerin Corinna Gepner (deutsch)

Corinna Gepner bekommt den Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis 2020

Das Interview mit Corinna Gepner im Original-Ton (französisch) sehen Sie weiter unten.

  07.09.2020 | 05:00 Uhr

Der mit 10.000 Euro dotierte Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis der Stiftung des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie des Saarlandes (Stiftung ME Saar), der Stadt Sulzbach und des Saarländischen Rundfunks würdigt das Andenken des bedeutenden Sulzbacher Übersetzers und Autors. Im Jahr 2020 geht er an die französische Übersetzerin Corinna Gepner.

„Man übersetzt mit seiner ganzen Geschichte, der individuellen und der kollektiven, mit all dem, was uns voranging und dem was uns umgibt,“ schreibt Corinna Gepner in ihrem Buch „Traduire ou perdre pied“ (etwa: „Übersetzen oder den Boden unter den Füßen verlieren“), das die Jury in seiner schonungslosen Auseinandersetzung mit ihrer Arbeit und ihrem Leben beeindruckt hat.

Video [aktueller bericht, 07.09.2020, Länge: 2:37 Min.]
Corinna Gepner gewinnt Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis 2020

Jury von Musikalität der Sprache überzeugt

"Corinna Gepner ist eine ganz außergewöhnliche Übersetzerin"
Audio [SR 2, Jochen Marmit / Tilla Fuchs, 06.09.2020, Länge: 04:08 Min.]
"Corinna Gepner ist eine ganz außergewöhnliche Übersetzerin"

Für die promovierte Germanistin ist die Tätigkeit des Übersetzens ein tiefes inneres Bedürfnis, quasi etwas Überlebensnotwendiges. In kurzen Aperçus stellt sie ihre bewegende Familiengeschichte der Arbeit an und mit den Sprachen gegenüber, verwebt die Migrationsgeschichte ihrer Großeltern, die aus Osteuropa nach Frankreich kamen, mit der Notwendigkeit, zu übersetzen, „um nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren“.

ZeitZeichen: 7. September 2005
Der Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis wird erstmals vergeben
Eugen Helmlés Übersetzungen sind legendär, vor allem die von Georges Perecs Roman "La Disparition". Der Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis wurde 2004 zur Erinnerung an den Saarländischen Übersetzer ins Leben gerufen und am 7. September 2005 erstmals vergeben.

Eine existenzielle Herangehensweise, die ihre übertragenen Texte prägt. Sie werfen die Fesseln der ursprünglichen Linguistik, des Erzählstils ab, ohne das Original anzufechten: Der fremde Text bleibt immer „die Realität des anderen“, der man sich anzunähern versucht, zu der man aber stets eine Distanz bewahrt. In diesem Niemandsland zwischen Kreation und Re-Kreation wird Corinna Gepner Autorin.

Ihre Übertragungen dienen somit dem literarischen Werk in seiner Ausgangs- und in seiner Zielsprache, besonders gelungen zum Beispiel in ihren Übersetzungen der Romane von Katharina Hagena. Das hat die Jury ebenso überzeugt wie die Musikalität ihrer Sprache und die konsequente Suche nach dem Rhythmus, der für Corinna Gepner, die auch als Musikerin tätig war, eine wichtige Rolle spielt.

Die diesjährige Preisträgerin

Interview mit Corinna Gepner im Originalton (französisch)
Audio [SR 2, (c) SR, 07.09.2020, Länge: 02:00 Min.]
Interview mit Corinna Gepner im Originalton (französisch)

Corinna Gepner 1963 in Paris geboren, widmet sich seit über 20 Jahren der literarischen Übersetzung aus dem Deutschen, mitunter aus dem Englischen, ins Französische. Zuvor hat sie unter anderem französische Literatur an der Université Paris III unterrichtet und zehn Jahre lang regelmäßig eine Radiosendung über deutschsprachige Literatur moderiert.

Inzwischen umfassen ihre Übersetzungen über sechzig Titel aus dem Deutschen ins Französische, darunter Werke von Klassikern wie Klaus Mann, Erich Kästner oder Stefan Zweig und aktuelle Literatur etwa von Christian Kracht oder Katharina Hagena. Bis 2020 war sie Präsidentin der „Association des traducteurs littéraires de France“ und unterrichtet literarisches Übersetzen an der École de traduction littéraire und an verschiedenen Universitäten.

Sie hat die Reihe Contrebande in den Éditions de la Contre-Allée mitbegründet, die Übersetzerinnen und Übersetzern eine Stimme gibt. 2019 erschien dort ihr Buch „Traduire ou perdre pied“.

Die Jurorinnen und die bisherigen Preisträger

Gespräch mit Jurorin Susanne von Schenck
Audio [SR 2, (c) SR, 07.09.2020, Länge: 04:06 Min.]
Gespräch mit Jurorin Susanne von Schenck

Die Jurorinnen des Eugen-Helmlé-Übersetzerpreises 2020 waren die Berliner Journalistin Susanne von Schenck, die Literaturbeauftragte der Direction Régionale des Affaires Culturelles (DRAC) der Region Grand Est in Metz, Colette Gravier, und Tilla Fuchs, Literaturredakteurin (Saarländischer Rundfunk).

Die bisherigen Preisträger waren Tobias Scheffel (2005), Claude Riehl (2006), Andrea Spingler (2007), Nicole Bary (2008), Lis Künzli (2009), Olivier LeLay (2010), Holger Fock und Sabine Müller (2011), Alain Lance und Renate Lance-Otterbein (2012), Jürgen Ritte (2013), Cécile Wajsbrot (2014), Hinrich Schmidt-Henkel (2015), Anne Weber (2016), Simon Werle (2017), Olivier Mannoni (2018) und Sonja Finck (2019).

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 07.09.2020 berichtet.

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