Die Schriftstellerin Mariette Navarro bei ihrer Dankesrede für den Prix Frontières Léonora Miano (Foto: Prix Frontières Léonora Miano)

Mariette Navarro und ihr preisgekrönter Debütroman "Über die See"

Tilla Fuchs. Onlinefassung: Rick Reitler

Onlinefassung: Rick Reitler   13.04.2022 | 15:20 Uhr

Der "Prix Léonora Miano", der Preis der Grenzen, ist am 9. April an die französische Schriftstellerin Mariette Navarro verliehen worden - für ihren Debütrom "Über die See". SR-Literaturredakteurin Tilla Fuchs, die als Jury-Mitglied dabei war, stellt die Autorin vor.

Biographisch verbindet Mariette Navarro, geboren 1980 in Lyon, wenig mit dem Meer. Aber 2012 war Navarro, die als Dramatikerin und Dramaturgin in Paris lebt, zu einer Autorinnenresidenz auf einem Frachtschiff eingeladen: Acht Tage reiste sie auf offener See von St. Nazaire nach Point à Pitre auf den Antillen, eine jener französischen "outre mer"-Regionen, die auch "territoires ultramarins" genannt werden.

Grenzerfahrungen

"Schon wenn man am Hafen ankommt, fühlt man sich klein neben dem riesigen Schiff und sobald man dann auf dem Meer ist, erscheint das Schiff selbst winzig. Man verliert die Maßstäbe. 50 Meter über dem Wasser weiß man nicht, ob die Wellen klein oder riesig sind. Man fühlt sich verloren, auch das Zeitgefühl schwindet." (Mariette Navarro)

Nach der Reise versuchte die Autorin lange vergeblich, ein Theaterstück über ihre Eindrücke zu schreiben, aber es funktionierte nicht und sie legte ihre Aufzeichnungen beiseite. Erst zehn Jahre später entstand daraus der Roman "Ultramarins", der nun mit dem Léonora Miano Preis der Grenzen ausgezeichnet wurde.


Über den Léonora Miano Preis der Grenzen für Mariette Navarro
Audio [SR 2, Jana Bohlmann / Tilla Fuchs, 13.04.2022, Länge: 05:14 Min.]
Über den Léonora Miano Preis der Grenzen für Mariette Navarro


Das Buch

Mariette Navarro
Über die See

Originaltitel: Ultramarins

Verlag Antje Kunstmann 2022
160 Seiten. 20,00 Euro.
ISBN: 978-3956145100

Voraussichtlich lieferbar ab dem 24. August 2022.


Der Léonora Miano Preis der Grenzen

Seit 2021 vergeben die Université de Lorraine und die Universität der Großregion gemeinsam mit vielen Partnern aus der Region SaarLorLuxWallonie den Léonora Miano Preis der Grenzen. Namensgeberin ist die gleichnamige Autorin aus Kamerun, deren literarisches, essayistisches und dramatisches Werk sich mit der afrikanischen Identität und Geschichte und mit der Migration befasst: "Der Brexit, die Migranten, die Coronakrise, die Grenze hört nicht auf, den Schriftsteller, den Forscher, den Bürger zu hinterfragen", so Miano, deren Werke in deutscher Übersetzung beim Verlag W_orten & Meer erscheinen.


Ein Thema in der Sendung "Literatur im Gespräch - das Magazin" am 13.04.2022 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt die Schriftstellerin Mariette Navarro (Pressefoto: Prix Frontières Léonora Miano).

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