Ein Stapel Bücher (Foto: SR / Jana Bohlmann)

Standpunkt der Verlagsbranche "nur sehr schwer nachvollziehbar"

Ein Gespräch mit dem Autor und Literaturkritiker Christoph Schröder zur Absage der Leipziger Buchmesse 2022

Johannes Kloth. Onlinefassung: Rick Reitler   10.02.2022 | 08:00 Uhr

Der Literaturkritiker Christoph Schröder hat im SR-Interview sein Unverständnis über die Entscheidung großer Teile der Verlagsbranche zum Ausdruck gebracht, der Leipziger Buchmesse 2022 den Rücken zu kehren. Wie die Spaltung innerhalb der Literaturbranche wieder "gekittet" werden könne, sei ihm ein Rätsel.

Auch 2022 wird in Leipzig keine Buchmesse stattfinden - zum dritten Mal in Folge fällt die zweitgrößte Literaturveranstaltung nach der Frankfurter Buchmesse der Corona-Krise zum Opfer. Ursprüngllich geplant war, dass die Messe Mitte März über die Bühne gehen sollte. Auch ein digitales Ersatzprogramm wird es ebensowenig wie das Lesefestival "Leipzig liest" geben. Hintergrund der Entscheidung sind vermehrte Absagen von Verlagen und Ausstellern.

Große Enttäuschung

Der Autor und Literaturkritiker Christoph Schröder kann die Absage durch die Messeleitung durchaus nachvollziehen - nicht aber den Standpunkt der Verlagswirtschaft. "Da tut man alles, um die Messe zu ermöglichen, die Politik spielt mit, macht den Weg frei - und dann kommen die wichtigsten Player im Stundentakt und sagen Nein, danke", ärgerte sich Schröder im Gespräch mit SR-Moderator Johannes Kloth.

Von Kopfschütteln bis Wut

Offensichtlich gebe es bei vielen Verlagen "kein Interesse mehr an einer gemeinsamen Öffentlichkeitsplattform". Auch viele Autorinnen und Autoren hätten mit Kopfschütteln oder Wut auf die Absage der Messe reagiert. Er hoffe, dass durch Eigeninitiativen einiger Verlage doch noch "zumindest so etwas wie ein kleines Lesefestival" in Leipzig entstehen könne, sagte Schröder.

Wie die in den vergangenen Tagen entstandene Spaltung innerhalb der gesameten Literaturbranche nun wieder "gekittet" werden solle, wisse er allerdings auch nicht.


Im Interview: Literaturkritiker Christoph Schröder
Audio [SR 2, Johannes Kloth, 10.02.2022, Länge: 04:39 Min.]
Im Interview: Literaturkritiker Christoph Schröder


Hintergrund:

mdr.de
Leipziger Buchmesse 2022 abgesagt
Auch 2022 wird in Leipzig keine Buchmesse stattfinden. Hintergrund der Entscheidung sind vermehrte Absagen von Verlagen und Ausstellern aufgrund der Corona-Krise. Ein digitales Ersatzprogramm ist derzeit nicht geplant.


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 10.02.2022 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt einen Stapel Bücher (Foto: Jana Bohlmann).

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