Tsitsi Dangarembga: "Überleben"

Tsitsi Dangarembga: "Überleben"

Der BuchTipp

Michael Loimeier. Onlinefassung: Rick Reitler   30.11.2021 | 13:15 Uhr

Tsitsi Dangarembga hat dieses Jahr den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten. Im Mittelpunkt ihres zuletzt erschienen Romans "Überleben" steht Tambudzai, eine Frau mittleren Alters, die es nicht leicht hat, zwischen den Anforderungen ihrer Umwelt und eigenen Idealen zurechtzukommen...

Bildungsstreben, Sexismus, Rassismus, Entfremdung und die oftmals deprimierende Suche nach Identität - das sind die Themenfelder, mit denen sich die Autorin Tsitsi Dagarembga anhand der Geschichten um ihre Romanheldin Tambudzai seit Jahren bewegt.

Zwischen Ideal und Wirklichkeit

In "Überleben" gibt Tambudzai - nun eine Frau mittleren Alters - ihre Stellung bei einer Werbefirma auf, weil ihre weißen Kollegen ständig ihre Ideen als die eigenen ausgeben. Wegen eines Wutanfalls verliert sie kurz darauf auch noch ihren Lehrerinnen-Job und landet eine Weile in einer psychosomatischen Klinik. Die Chance, bei einem Ökotourismus-Projekt mitzuarbeiten, wird für Tambudzai zur neuerlichen Herausforderung...

"Politisch gut gemeint", so das Urteil von Literatur-Experte Manfred Loimeier - doch "Überleben" verlangt von der Leserschaft doch "ein gehöriges Maß an Geduld und Durchhaltevermögen".

Friedenspreis 2021

Erst zweimal ging der Friedenspreis des deutschen Buchhandels nach Afrika: 1968 an den senegalesischen Poeten Léopold Sédar Senghor und 2002 an den nigerianischen Autor Chinua Achebe. Als erste Afrikanerin hat ihn 2021 Tsitsi Dangarembga erhalten. Sie steht in enger Verbindung zu Deutschland: In Berlin studierte sie in den 1990er Jahren Film, ihr Ehemann ist Deutscher, und die deutsche Sprache versteht sie sehr gut. Allein in dieser Mittlerposition zwischen zwei Welten ist Tsitsi Dangarembga eine ideale Preisträgerin.


Das Buch

Tsitsi Dangarembga
Überleben

Aus dem Englischen von Anette Grube
Berlin: Orlanda Verlag 2021
376 Seiten. 24,00 Euro
ISBN: 978-3-944666-87-7


Mehr über die Autorin im Archiv:

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
"Eine weithin hörbare Stimme Afrikas"
Am 24. Oktober ist der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche an die Autorin und Filmemacherin Tsitsi Dangarembga (62) aus Simbabwe verliehen worden. Sie verbinde "in ihrem künstlerischen Werk einzigartiges Erzählen mit einem universellen Blick", hieß es in der Begründung der Jury.


Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" am 30.11.2021 auf SR 2 KulturRadio.

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