Ein Kommentar zur Frankfurter Buchmesse 2021

Haben die Boykottiererinnen übers Ziel hinaus geschossen?

Ein Kommentar zur Frankfurter Buchmesse 2021

Alexander Schmitt. Onlinefassung: Rick Reitler   25.10.2021 | 08:10 Uhr

Michael Metzger zeigt sich in seinem Kommentar zur Frankfurter Buchmesse grundsätzlich solidarisch mit jenen Frauen, die das Thema Rassismus wieder auf den Tisch gebracht hätten. Dass diese aber den Hinweis auf das hohe Gut Meinungsfreiheit "hämisch weggewischt" hätten, hält er für einen Fehler. Ein Kommentar.

Die Frankfurter Buchmesse war 2021 in vielerlei Hinsicht anders als sonst - auch wenn sie eigentlich doch vor allem wieder so sein wollte wie "vor Corona". Aber spätestens mit dem Messe-Boykott der Autorin Jasmina Kuhnke - und später auch weiterer Autorinnen und Autoren, unter anderem gegen die Präsenz rechter Verlage auf der Messe, kam eine nicht ganz neue Diskussion in Fahrt - nämlich jene über Meinungsfreiheit und Grundrechte.

Michael Metzger bezieht in seinem Kommentar grundsätzlich Stellung für die Perspektive jener Frauen, die Rassismus am eigenen Leib erfahren haben: "Ich unterstütze diese Frauen in ihrer Wut - und in ihrem Boykott".

Es ging nicht nur um Geld

Für wenig überzeugend hält er dagegen deren Argument, dass die Buchmesse "rechten Verlagen" nur deshalb Zutritt gewährt habe, weil sie Geld verdienen wolle. Das sei schon deshalb falsch, weil die beiden kritisierten Aussteller sich "gerade noch" auf dem Boden der Verfassung bewegten und sich zudem mit deren vielleicht zwölf Quadratmeter großen Ständen gar kein Geld verdienen lasse.

Recht auf freie Meinung

"Dass die Messeverantwortlichen ersthaft die freie Meinung respektieren wollen, wird hämisch weggewischt", mahnte Metzger, "Recht auf freie Meinung ist aber das wichtigste Bollwerk der Demokratie gegen Diktaturen. Das übersehen die wütenden Boykottiererinnen". Zudem hätte den "rechten Verlagen" ohne den medial groß dargestellten Boykott niemand Aufmerksamkeit geschenkt, gab Metzger zu bedenken.

Insgesamt aber sei es bei aller Polemik und Vereinfachung gut, dass das Thema Rassismus wieder ins Bewusststein gerufen worden sei, meint Metzger.


Ein Fazit zur Frankfurter Buchmesse 2021
Deutlich weniger Andrang
Mit "nur" 73.500 Literaturfans fanden 2021 deutlich weniger Menschen als in den Jahren zuvor den Weg in die Frankfiurter Messehallen - gemessen an 2019 nur etwa ein Viertel. Buchmessen-Chef Juergen Boos geht davon aus, dass die Messe sich in Zukunft "neu zusammensetzen" wird.


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 25.10.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Publikum auf der Frankfurter Buchmesse 2021 (Foto: picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow).

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