Zum Tod von Klaus Bernarding

Zum Tod von Klaus Bernarding

Ein Nachruf auf den Autor und Grenzgänger

Erhard Schmied   15.09.2021 | 11:00 Uhr

Klaus Bernarding war Lehrer und Schriftsteller aus Saarbrücken. Für seine Werke wurde er unter anderem mit dem Autorenpreis der Académie d’Alsace ausgezeichnet. Er ist am 7. September 2022 im Alter von 87 Jahren verstorben. Ein Nachruf von Erhard Schmied.

Er wird in Erinnerung bleiben, dieser hochgewachsene Mann mit dem ergrauten Schnauzbart und der sonoren Stimme. 1935 in der saarländischen Gemeinde Schmelz geboren, lebte Klaus Bernarding in Saarbrücken-Malstatt, dessen Stadtteilautor er in den 1980er Jahren war.

Im Hauptberuf Lehrer, dann Kulturamtsleiter von Sulzbach, später Referent und Referatsleiter im saarländischen Kultusministerium, galt sein eigentliches Interesse dem Schreiben. Gedichte, kleine Prosatexte, essayistische Betrachtungen - Klaus Bernarding war vor allem ein Mann der kurzen Form. Eine zweite Leidenschaft: die Liebe zu den französischen Nachbarn - zu Lothingen, um genau zu sein.

Der Autor als Grenzgänger

„Das hängt wohl mit meiner Biographie zusammen“, so Klaus Bernarding 2007 in einem Gespräch für den Saarländischen Rundfunk. „Ich bin geboren 1935 und erlebte dann von 1945 bis ‘55 im Saarland die Zeit der französischen Oberhoheit, will ich mal sagen, im kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Bereich. Und da die Grenzen nach Deutschland mehr oder weniger in dieser Zeit geschlossen waren, zum Reich also, wendete sich jeder halbwegs vernünftige Saarländer, junge Saarländer, nach Frankreich, nach Westen.“

Eine Verbindung, die zeitlebens bestand. Nicht nur, dass Klaus Bernarding neben seinem Saarbrücker Domizil ein Haus im Département Meuse besaß – jahrzehntelang führte er kulturinteressierte Gruppen durch Lothringen und schrieb darüber. Das Ergebnis: mehrere Bücher mit ausführlichen Reiseberichten, die an dieser Stelle jedem Frankreichliebhaber empfohlen seien. Weniger bekannt und dennoch lesenswert: Klaus Bernardings Gedichte.

Schreiben, Reden, Zeichnen

Seit dem Jahre 2000 war Klaus Bernarding im Ruhestand. Sein früherer Arbeitgeber, die saarländische Landesregierung, mag darüber erleichtert gewesen sein, sah er sich doch als durchaus streitbarer, unbequemer Zeitgenosse, auch in seinem beruflichen Umfeld. Doch Klaus Bernarding war im Grunde ein empfindsamer Mensch, der nicht nur schrieb, sondern auch zeichnete – kleine Skizzen, die er gelegentlich zusammen mit seinen Texten veröffentlichte. In einem Gespräch mit dem Saarländischen Rundfunk räumt er ein:

„Die Zeichnungen dienten oft dazu, wenn ich im Inneren mit mir nicht zurechtkam, was öfter der Fall war, dann habe ich diese Ängste und Schreckensbilder versucht, auf Papier zeichnerisch festzuhalten.“

Mit Klaus Bernarding verliert die saarländische Literaturszene einen vielseitigen Schriftsteller, der, von Kriegs- und Nachkriegszeit geprägt, stets die Versöhnung mit Frankreich im Blick hatte. Dass ihm der Autorenpreis der Académie d’Alsace verliehen wurde, ist nur ein Beispiel für die Anerkennung, die er dafür erfuhr.


Klaus Bernarding verstarb am 07. September 2022 im Alter von 87 Jahren.

Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" am 15.09.2022 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Klaus Bernarding (Foto: Markus Dawo, Conte Verlag).

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