"Meinungsfreiheit ist in Deutschland auch bedroht"

"Meinungsfreiheit ist in Deutschland auch bedroht"

Ein Gespräch mit Alexander Skipis, dem Hauptgeschäftsführer des Börsenverein des Deutschen Buchhandels, zur "Woche der Meinungsfreiheit" (3. bis 10. Mai 2021)

Jochen Marmit. Onlinefassung: Rick Reitler   05.03.2021 | 14:40 Uhr

Alexander Skipis vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat zur "Woche der Meinungsfreiheit" den Ist-Zustand in Deutschland kritisiert. Das Schikanieren von Andersdenkenden wie zuletzt im Fall von Jan Josef Liefers sei "das Gift, was unsere Gesellschaft zerstört". Ein Interview.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat den Internationalen Tag der Pressefreiheit am 3. Mai 2021 genutzt, um bis einschließlich zum 10. Mai erstmals eine "Woche der Meinungsfreiheit" auszurufen und eine "Charta der Meinungsfreiheit" auf den Weg zu bringen. Rund 30 zivilgesellschaftliche Organisationen und Unternehmen haben bereits unterzeichnet - vom Buchverlag bis zum Fußballverein.

"Wir wollen ja gemeinsam Verantwortung für das Menschenrecht der Meinungsfreiheit übernehmen", sagte Alexander Skipis, der Hauptgeschäftsführer des Börsenverein des Deutschen Buchhandels, im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit. Das "breite zivilgesellschaftliche Bündnis", dass der Börsenverein für die Charta initiiert habe, solle dauerhaft fortgesetzt werden und sich möglichst bald auch über ganz Europa ausbreiten, wünschte sich Skipis.

"Das Gift, was unsere Gesellschaft zerstört"

Das Thema Meinungsfreiheit beschäftige die gesamte Buchbranche schon seit Jahren, und es sei an der Zeit, intensiver über das Thema zu sprechen. Denn "Meinungsfreiheit ist in Deutschland auch bedroht", stellte Skipis klar. Als Beispiel nannte er den Tweet eines WDR-Rundfunkrates, der kurz nach dem Start der #allesdichtmachen-Schauspielervideos öffentlich verlangt habe, den Vertrag mit Tatort-Star Jan Josef Liefers aufzulösen. "Das ist ein Skandal, und genau das ist das Gift, was unsere Gesellschaft zerstört", sagte Skipis.

Ohne Angst vor Schikane reden können

Es gehe nicht darum, die Meinung irgendeines Künstlers zu teilen, aber im Geiste Voltaires "alles dafür zu tun, dass er sie sagen" könne, betonte Skipis. "Wir wollen die frei artikulierte Meinung, ohne Angst davor zu haben, in irgendeiner Form so schikaniert zu werden".

Er bedauere, dass die traditionsreiche Leipziger Buchmesse wegen der Corona-Krise nun schon zum dritten Mal ausfallen werde - und damit ebenso jene "gellschaftlichen Diskussionen", die an so einem Ort normalerweise geführt würden.

Weitere Informationen: https://www.boersenverein.de


Ein Thema u. a. in der Sendung "Der Nachmittag" vom 03.05.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Alexander Skipis, den Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels (Foto: picture alliance / SvenSimon | Anke Waelischmiller/SVEN SIMON).

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