Über den Übersetzungsstreit um Amanda Gorman

Über den Übersetzungsstreit um Amanda Gorman

Ein Gespräch mit SWR-Literaturexpertin Katharina Borchardt über den Übersetzungsstreit um Amanda Gormans Gedicht "The Hill We Climb"

Jochen Erdmenger. Onlinefassung: Rick Reitler   30.03.2021 | 08:45 Uhr

Im Vorfeld der internationalen Übersetzungen von Amanda Gormans Gedicht "The Hill We Climb" war auch in Deutschland ein Streit um die Auswahl geiegneter Übersetzer:Innen entbrannt. SWR-Literaturexpertin Katharina Borchardt findet die vorliegende Fassung nur "teils, teils" gelungen.

Am 30. März ist die deutsche Übersetzung von “The Hill We Climb” erschienen - jenem Gedicht, das die 22-jährige amerikanische Dichterin Amanda Gorman bei der Amtseinführung von US-Präsident Joe Biden auf dessen ausdrücklichen Wunsch vorgetragen hatte.

Das brachte Gorman Ruhm, Geld und und sogar ein Titelbild im Time Magazine ein. Gorman fordert in ihrem Gedicht die US-Amerikanerinnen und Amerikaner auf, aus dem Schatten der Trump-Zeit herauszutreten.

Diverse Lösung für Deutschland

Nicht nur in Deutschland entbrannte flugs die Frage, wer das Recht haben sollte, den Text zu übersetzen. Dürfte dieser Mensch auch weiß, männlich und heterosexuell sein? Der deutsche Verlag Hoffmann und Campe hat sich jedenfalls für ein diverses Trio aus Übersetzerinnen entschieden: Uda Strätling, Kübra Gümüşay und Hadija Haruna-Oelker.

Zweifel

SWR-Literaturexpertin Katharina Borchardt findet deren Fassung nur "teils, teils" gelungen. "Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr Zweifel kommen mir auch", sagte sie im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger.

Strätling, Gümüşay und Haruna-Oelker seien zwar "sehr feinfühlig" mit dem Text umgegangen und hätten sich "um Präzision bemüht" - deren Textfassung aber "habe am Ende auch immer was Skrupulöses". Manche Textpassagen hätten "was Längliches, kein Flair, keine Leichtigkeit, keine Schwingung".

Nicht die beste Wahl?

Sie frage sich, "ob man nicht vielleicht doch besser 'nen Rapper hätte engagieren sollen oder einen übersetzungserfahrenen Lyriker wie Jan Wagner oder Ann Cotten, die in ihren Übersetzungen bestimmt freier gewesen wären", so Borchardt. Diese hätten "vielleicht weniger textnah" gearbeitet, dafür aber "vielleicht mehr Spirit gehabt".


Amanda Gorman
The Hill We Climb - Den Hügel hinauf

Zweisprachige Ausgabe
Aus dem amerikanischen Englisch von Uda Strätling, Kübra Gümüşay und Hadija Haruna-Oelker

Hoffmann und Campe 2021
64 Seiten, 10,00 Euro
ISBN: 978-3455011784


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 30.03.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt die amerikanische Dichterin Amanda Gorman bei ihrem Auftritt während der 59. Amtseinführung des Präsidenten im US-Kapitol (Foto: picture alliance/dpa/AP Pool | Patrick Semansky).

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