Gabriel Matzneff: Pädophilie-Affäre im französischen Literaturbetrieb

Aufregung um Star-Autor Gabriel Matzneff

Frankreich-Korrespondentin Sabine Wachs über eine Pädophilie-Affäre im französischen Literaturbetrieb

Sabine Wachs; Onlinefassung: Laszlo Mura   28.02.2020 | 17:00 Uhr

Der französische Schriftsteller Gabriel Matzneff ist jahrzehntelang für seine Bücher gefeiert worden. Jetzt vollzieht sich eine abrupte Kehrtwende in öffentlicher Meinung und Justiz. Matzneff ist bekennender Pädophiler und in seinen Büchern erzählt er von der Freude, "einen Jungen von 13 Jahren oder ein Mädchen von 15 Jahren in den Armen gehalten, geküsst, liebkost, besessen zu haben". Eine Betroffene hat sich nun mit einem Buch zu Wort gemeldet. Frankreich-Korrespondentin Sabine Wachs über die ganze Geschichte.

Die Debatte, die die Verlegerin Vanessa Springora mit ihrem Buch angestoßen hat, habe ziemlich viel bewirkt, erzählt Frankreich-Korrespondetin Sabine Wachs. Einen Tag, nachdem das Buch von Springora erschienen sei, habe die französische Justiz Ermittlungen gegen den Schriftsteller Gabriel Matzneff eingeleitet - wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen.

Dieser Schritt habe den französischen Kulturbetrieb dazu gezwungen, sich positionieren zu müssen - nachdem in Frankreich jahrzehntelang die Literatur vor der Moral stand, meint Sabine Wachs.

"La Consentement"

Springora war mit 14 Jahren Matzneffs Geliebte. Mit ihrem Buch "La Consentement" hat sie nun ihr Schweigen gebrochen. Darin erzählt sie, was Ende der 80er Jahre passierte, als sie Gabriel Matzneff kennenlernte und wie sie von seiner intellektuellen Aura fasziniert war. Es entwickelte sich eine Beziehung zwischen der 14-jährigen Springora und dem damals 50-jährigen Schriftsteller.

Springora stellt klar: sie war damals verliebt, wollte die Beziehung und hätte sich von niemadem davon abbringen lassen. Was sie als junges Mädchen nicht verstand war, dass es Matzneff nicht um Liebe ging, sondern um die Befreidigung seiner pädophilen Neigung. Und das, schreibt sie, habe sie erst wesentlich später herausgefunden, als sie seine Bücher gelesen hat.

Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" vom 28.02.2020 auf SR 2 KulturRadio.

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