Streit um Peter Handke: "Es geht vor allem um Moral"

"Es geht vor allem um Moral"

Ein Gespräch mit SR-Literaturredakteurin Tilla Fuchs über den Streit um den designierten Nobelpreisträger Peter Handke

Jochen Erdmenger. Onlinefassung: Rick Reitler   10.12.2019 | 08:40 Uhr

Darf ein Schriftsteller mit Preisen geehrt werden, selbst wenn seine politische Meinung von vielen Menschen kritisiert wird? Diese Frage wird seit Monaten am Fall des wegen seiner Serbien-Sympathie bei vielen Kritikern in Ungnade gefallenen österreichischen Autors Peter Handke heiß diskutiert. SR-Literaturredakterin Tilla Fuchs kennt die Hintergründe.

Im vergangenen Jahr hatte der Literaturnobelpreis "Pause" gemacht - wegen eines Skandals im Zusammenhang mit der schwedischen Akademie. Deshalb werden am Nachmittag des 10. Dezember 2019 nun in Stockholm ausnahmsweise zwei Literaturnobelpreise vergeben: Der Preis des Jahres 2018 geht an die polnische Autorin Olga Tokarczuk, jener für das Jahr 2019 an Peter Handke.

Verpönte Pro-Serbien-Haltung

Seit der Bekanntgabe im Oktober tobt eine Debatte um Handke, die längst nicht mehr nur im deutschsprachigen Feuilleton ausgetragen wird. Der Österreicher ist bei vielen seiner Gegner in Ungnade gefallen, weil er sich in der Frage des Jugoslawien-Kriegs klar auf die Seite Serbiens gestellt hatte.

"Gute Argumente"

SR-Literaturredakteurin blickte im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger noch einmal zurück auf die Frage, ob ein Schriftsteller preiswürdig ist, selbst wenn seine politische Meinung von vielen Menschen nicht geteilt oder kritisiert wird. "Die Kritiker Handkes, die sind in der Überzahl, scheint mir", stellte Fuchs fest, "sie sind jedenfalls medial präsent und natürlich auch mit guten Argumenten ausgestattet". Insgesamt gehe es zwar auch um Politik, Geschichte und Literatur - in erster Linie aber um Moral, sagte Fuchs.

Mehr über die Literaturnobelpreise 2019:

Im Interview: SR-Literaturredakteurin Tilla Fuchs
"Eine große Überraschung"
Die Schwedische Akademie hat die Literatur-Nobelpreise für 2018 an Olga Tokarczuk und für 2019 an Peter Handke verliehen. Der Preis wurde in diesem Jahr gleich zweimal verliehen, weil im Vorjahr Vergabe und Verleihung nach einem Skandal mit Belästigungs- und Korruptionsvorwürfen ausgefallen waren. Über die Entscheidung hat SR-Moderatorin Sally-Charell Delin mit SR-Literaturredakteurin Tilla Fuchs gesprochen.


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 10.12.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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