Wenn den Mächtigen die Meinung nicht passt

Wenn den Mächtigen die Meinung nicht passt

Ein Gespräch mit Ralf Nestmeyer, Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter der Schriftsteller-Organisation PEN

Kai Schmieding. Onlinefassung: Rick Reitler   15.11.2019 | 07:55 Uhr

Zum "Tag des inhaftierten Schriftstellers" hat der PEN-Vizepräsident Ralf Nestmeyer auch deutsche Politiker kritisiert: Diese interessierten sich zu wenig für die Lage eingesperrter Autoren. Besser sei es, die betroffenen Länder - beispielsweise die Türkei oder Eritrea - wirtschaftlich unter Druck zu setzen.

Seit 1960 wird am 15. November auf das Schicksal von zu Unrecht inhaftierten Autoren, Journalisten, Verlegern und Bloggern aufmerksam gemacht. Dieser "Tag des inhaftierten Schriftstellers" geht auf eine Idee der internationalen Schriftstellerorganisation PEN zurück. In Deutschland kümmert sich Ralf Nestmeyer, PEN-Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter, um das Thema.

Kritik an Politikern

Im Gespräch mit SR-Moderator Kai Schmieding kritisierte Nestmeyer auch jene deutschen Politiker, die sich zu wenig für die Freilassung der Inhaftierten einsetzten: "Man könnte natürlich den Druck erhöhen auf einige Länder, beispielsweise auch auf die Türkei", empfahl Nestmeyer, "indem man auch wirtschaftlich versucht, die Länder unter Druck zu setzen". Auch von der EU gäbe es Möglichkeiten, beispielsweise kleinere afrikanische Staaten zur Freilassung ihrer gefangenen Autoren zu bewegen. "Da passiert leider zu wenig, da interessieren sich die Politiker zu wenig dafür", so Nestmeyers Meinung.

"Autokratische Regimes"

Nestmeyer geht von derzeit weltweit 800 bis 900 Schriftstellerinnen und Schriftstellern aus, die dafür gefangen gehalten werden, dass sie etwas aufgeschrieben haben, was irgendeinem Mächtigen nicht passt. In der Regel geschehe dies in Ländern mit "autokratischen Regimen", in denen meist auch die Meinungsfreiheit wenig gelte, so Nestmeyer.

Als "das größte Gefängnis für die schreibende Zunft" gelte aus Sicht des PEN derzeit die Türkei, in der etwa 150 Autoren weggesperrt worden seien. Aber auch in Ägypten, Mexiko, Eritrea, Nigeria und Uganda gebe es aktuell besonders viel Anlass zur Kritik.

Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 15.11.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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