Warum die kleinen Buchverlage zittern

Warum die kleinen Buchverlage zittern

Ein Gespräch mit St. Ingberter Verlagsleiter Stefan Wirtz (Conte Verlag) über die finanzielle Schieflage des Buchgroßhändlers KNV

Audio: Jochen Marmit, Foto: Benjamin Morris. Onlinefassung: Rick Reitler   20.02.2019 | 15:45 Uhr

Stefan Wirtz, der Leiter des St. Ingberter Buchverlags Conte, macht sich wie viele seiner Branchenkollegen derzeit ziemlich große Sorgen: Die aktuelle Zahlungsunfähigkeit des Buchgroßhändlers KNV könnte die Verlagshäuser die Erträge aus dem Weihnachtsgeschäft kosten.

Der Stuttgarter Buchgroßhändler Koch, Neff & Volckmar (KNV) hat am 14. Februar 2019 überraschend einen Insolvenzantrag gestellt. Was bedeutet das für die Verlage, für die der Branchenriese KNV eine wichtige Funktion im Vertrieb ausübt?

"Weihnachtsgeld" weg?

Stefan Wirtz, der Leiter des zurzeit größten saarländischen Buchverlags Conte mit Sitz in St. Ingbert-Oberwürzbach, macht sich im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit durchaus Sorgen: Womöglich gebe es jetzt kaum Geld für all die Conte-Bücher, die im Weihnachtsgeschäft 2018 über die Ladentheke gegangen sind.

In der Branche, so Wirtz, sei nämlich ein Zahlungsziel von 90 Tagen üblich - das heißt, so lange müsse ein Verlag normalerweise auf die Erfüllung von Forderungen warten, die er an einen Zwischenhändler wie KNV habe.

Spezialfall Buchhandel

Die wenigen deutschen Buchgroßhändler unterhalten riesige Hallen mit einem entsprechend breiten Warenbestand von mindestens einigen hunderttausend Büchern. Jedes Buch wird in der Regel mehrfach vorgehalten, so dass die Bestellungen des "kleinen Buchladens an der Ecke" spätestens über Nacht problemlos aus dem Lagerbestand erledigt werden können. Die Geldflüsse zwischen Buchladen, Großhändler, Verlagshaus und Autor können wegen des untereinander etablierten Verrechnungs- und Fälligkeitssystems einige Zeit in Anspruch nehmen.

Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" vom 20.02.2019 auf SR 2 KulturRadio.

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