Doppelausstellung Mudam/Moderne Galerie: Face à Face (Foto: SR)

Face à Face: Zwei Sammlungen im Dialog

Jochen Erdmenger   08.10.2022 | 13:29 Uhr

Auch Kulturinstitutionen müssen derzeit sparsam sein. Das bedeutet, es ist nicht die Zeit für große Blockbusterausstellungen mit weit gereisten Meisterwerken. Da liegt es nahe, aus der eigenen Sammlung zu schöpfen, und vielleicht noch die benachbarter Institutionen anzuzapfen. Das Saarlandmuseum setzt das jetzt um. Die Moderne Galerie des Saarlandmuseums und das Mudam in Luxemburg tauschen sich aus.

"Gib du mir was von deinem Otto Dix, Max Ernst, Otto Steinert oder Alexander Archipenko, dann hab' ich für dich Guillaume Bresson, Klara Walker oder Su-Mei Tse." Wenn zwei Museen ihre Sammlungen miteinander tauschen, geht es im Grunde nicht anders zu wie beim Pokémon-Karten-Dealen auf dem Schulhof: Jeder will das, was er noch nicht hat und gibt bereitwillig, wovon er genug hat.

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Face à Face: Zwei Sammlungen im Dialog
Audio [SR 2, Jochen Erdmenger, 08.10.2022, Länge: 03:33 Min.]
Face à Face: Zwei Sammlungen im Dialog

Bereichernde Highlights

Das Saarlandmuseum, ein Kind der 50er, hat vor allem klassische Moderne im Depot und das Mudam, das erst seit 2006 seine Pforten geöffnet hat, hat Zeitgenössisches zu bieten. Dr. Andrea Jahn, die Vorständin der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz, ist glücklich. "Das ist für uns wirklich eine ganz tolle Chance, Kunst zu zeigen, die wir ja normalerweise nicht zur Verfügung haben."

Nicht jede Position für sich genommen sei ein echter Knüller, findet Jochen Erdmenger, auch der rote Faden dieses Kunst-Deals sei nicht sofort ersichtlich, jedenfalls nicht ohne kunsthistorische Kenntnis. Auf den unvoreingenommenen Betrachter wirke es, als seien die Lücken der eigenen Ausstellung mit den Luxemburger Leihgaben aufgefüllt worden. Dennoch bereicherten einzelne Highlights nun die Moderne Galerie wenigstens temporär.

Ausschreitung als Schlachtengemälde

Spektakulär ist für Edmenger etwa die raumgreifende Plexiglas-Plastik von David Altmejd mit dem Titel "The Orbit", die die Menschen mit ihren surrealen, traum- und auch alptraumhaften Details mit dem Unbewussten konfrontiert. Oder Guillaume Bressons fesselnde Straßenkampfszene, ein Grisaille-Gemälde: Augenscheinlich inspiriert von den gewalttätigen Ausschreitungen in den Banlieues vor einigen Jahren, hier aber räumlich, perspektivisch und in der Anordnung des Personals als historisches Schlachtengemälde im barocken Stil inszeniert. Nur Sneaker, Jogginghosen, moderne Großstadtarchitektur und ein Auto, das von den Randalierern gerade ausgehebelt wird, stellen einen eindeutigen Gegenwartsbezug her.

Energie- und Klimabilanz wichtig

Werke wie diese sollen neugierig machen, so die Hoffnung bei Andrea Jahn. "Neugierig machen auf unserer beider Sammlungen, auf die Tatsache, dass wir hier viel zu bieten haben, in ganz unterschiedlichen Richtungen, dass sich die beiden Sammlungen ganz wunderbar ergänzen, und dass vieles wieder gezeigt werden kann, das sonst im Depot schlummert."

"Face à Face" wurde bereits vor zwei Jahren geplant, ist aber nicht zuletzt auch eine Schau, die sich perfekt in die jetzige Krisensituation fügt. Energie- und Klimabilanz von Ausstellungsprojekten bekommen schließlich immer mehr Gewicht. Die Kosten für Transporte hätten sich im Austellungsbetrieb inzwischen verdreifacht, erklärt Museumschefin Jahn, von zehn auf rund 30 Prozent.

Europäische Projekte künftig gefährdet

Das sei bei diesem grenzübergreifenden, aber immer noch großregionalen Projekt anders. "Wir haben hier einen Transport von Luxemburg nach Saarbrücken, das ist absolut überschaubar." Unsere üblichen Ausstellungen, auch im Bereich Klassischer Moderne, erfordern ja Transporte aus ganz Europa. Und solche Projekte werden in Zukunft gefährdet sein, das sehe ich so."

Jahn fügt hinzu, dass ihr Haus künftig noch stärker darauf setzen möchte, Künstlerinnen und Künstler einzuladen, vor Ort raumbezogene Arbeiten zu schaffen. Ob es dabei auch nach der Krise bleibt, wird sich zeigen. Bis dahin ist "Face à Face" zumindest auch der lohnende Versuch, so Erdmenger, aus den gegenwärtigen Kultur-Nöten eine Tugend zu machen.

Moderne Galerie/Mudam: Face à Face
Zwei Sammlungen im Dialog

Öffnungszeiten:
Dienstags und Donnerstags bis Sonntags von 10:00 bis 18:00 Uhr
Mittwochs: von 10:00 bis 22:00 Uhr

Ein Blick in die Ausstellung:

Video [aktueller bericht, 06.10.2022, Länge: 3:16 Min.]
Saarlandmuseum und Mudam zeigen Doppelausstellung
Die Moderne Galerie des Saarlandmuseums und das Museum für zeitgenössische Kunst in Luxemburg, Mudam, haben ein grenzüberschreitendes Ausstellungsprojekt auf die Beine gestellt. Ab dem 7. Oktober zeigen sie zeitgleich zwei Ausstellungen mit dem Titel „Face à Face“. Das Besondere daran: Die Kunstaustellungen sind mit Beständen des jeweils anderen Hauses bestückt.

Ein Thema in der Sendung "Langer Samstag" am 08.10.2022 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt ein Detail der Ausstellung. (Foto: SR)

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