Kinotipp: "Wie im echten Leben"

"Wie im echten Leben"

Eine Rezension des Sozialdramas von Emmanuel Carrère

Alexander Soyez. Onlinefassung: Lisa Huth   30.06.2022 | 10:43 Uhr

"Wie im echten Leben" zeigt Juliette Binoche einmal ganz anders, nämlich als unterbezahlte Kraft in der Putzkolonne einer Kanalfähre. 60 Betten in anderthalb Stunden machen. 90 Sekunden pro Bett. "Oberes Bett, unteres Bett, das geht auf den Rücken und auf die Schultern. Wenn man nach Hause kommt, zittern einem die Arme. Auch wenn man schläft, zittern einem die Arme. "

Sechs Monate lange Recherche

Das französische Sozialdrama basiert auf einer wahren Geschichte. Juliette Binoche hat die Journalistin Florence Aubenas überzeugt, ihr Buch "Dans la peau d'une femme de ménage", auf Deutsch: "Putze, ein Leben im Dreck" verfilmen zu lassen. Aubenas recherchierte dafür sechs Monate lang über prekäre Arbeitsbedingungen.

Hommage an Reinigungskräfte

Die anderen Rollen wurden nicht von Schauspielerinnen, sondern mit tatsächlichen Reinigungskräften besetzt. Der Film ist, so Alexander Soyez auch eine Hommage an sie, die die ganze Arbeit verrichten und doch nie gesehen werden. Er zeige aber auch, dass eine Recherchezeit nie das echte Leben zeigen kann, denn die Buchautorin kann anschließend wieder in ihr eigenes Leben zurück.


Der Film:


Wie im echten Leben

Frankreich 2021, ca. 106 Min. FSK 6
Regie: Emmanuel Carrère

Besetzung: Juliette Binoche , Hélène Lambert, Léa Carne, Emily Madeleine, Patricia Prieur, Evelyne Porée, Didier Pupin u.a.

Deutschlandstart: 30. Juni 2022

Der Film ist in der Region u. a. in der Camera Zwo in Saarbrücken, im Union-Studio für Filmkunst in Kaiserslautern und in Trier im Broadway Filmtheater zu sehen.


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" und in "Der Nachmittag" am 30.06.2022 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Juliette Binoche. (Foto: dpa).

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