Ausstellung im Centre Pompidou "Schreiben ist Zeichnen" (Foto: Centre Pompidou)

Über die Poesie der Schrift und die Klimanotlage

Zwei aktuelle Ausstellungen im Centre Pompidou Metz

Barbara Grech   08.12.2021 | 19:30 Uhr

Die Ausstellung im Centre Pompidou in Metz, "Ecrire, c'est dessiner", beschäftigt sich mit der Schrift als künstlerischer Ausdrucksform. Präsentiert wird das "alte Wissen" der Handschriften, Künstlerbücher, Briefe und Schriftrollen. Außerdem ist eine Schau über die Klimanotlage aus taiwanesicher Perspektive zu sehen.

In der Ausstellung "Ecrire, c'est dessiner" - deutsch etwa: "Schreiben ist Zeichnen" - sind Handschriften, kostbare Buchdrucke zu finden und auch Zeichnungen, die Bücher illustrieren. Es geht rein um die Schrift, und diese Schriften werden zu Bildern an den Wänden. Gezeigt werden auch handschriftliche Stücke von Vincent van Gogh oder Rainer Maria Rilke, die mit Zeichnungen versehen sind.

Centre Pompidou Metz: "Schreiben ist Zeichnen"
Audio [SR 2, Barbara Grech, 13.11.2021, Länge: 03:21 Min.]
Centre Pompidou Metz: "Schreiben ist Zeichnen"

Für Jean-Marie Galouye, den Kurator der Ausstellung, ist sie daher für Liebhaberinnen und Liebhaber filigraner Schriften, Grafiken und Zeichnungen gedacht. Einerseits sei sie speziell, andererseits gehe es um etwas, das alle fast täglich selbst tun: schreiben. "Auch wenn wir keine Künstler sind, betreiben wir eine gewisse Ästhetik mit unserer Handschrift."

Ausstellung im Centre Pompidou "Schreiben ist Zeichnen" (Foto:  Archives Galerie de France, Paris Musées, musée d'Art moderne, Dist. RMN-Grand Palais / image ville de Paris)
Brion Gysin, Sans titre, 1959–1963

In der Ausstellung ist das quer durch die Jahrhunderte zu erleben. Dazu hören Manuskripte aus Mexiko aus dem 17. Jahrhundert ebenso wie französische Schriften aus dem 15. Jahrhundert. Über 2000 Jahre alte Papyrusschriften aus Ägypten sind dabei und auch asiatische Schriftkunst, etwa aus Vietnam.

"Wir wollen zeigen, wie vielfältig die Schriftkunst in den verschiedenen Kulturen ist. Und natürlich gibt es besonders in Asien eine enge Verbindung zwischen Schrift und Kunst." So ist es kein Wunder, dass der beeindruckendste Raum in dieser Ausstellung der mit den großformatigen japanischen Kalligraphien ist.

Ausstellung im Centre Pompidou "Schreiben ist Zeichnen" (Foto: Bibliothèque nationale de France )
Augustinus: Quaestiones et locutiones in Heptateuchum

Ideengeberin dieser Ausstellung war die Schriftstellerin und Malerin Etel Adnan, eine Frau mit einem wahrhaftigen Multikulti-Hintergrund. 1925 im Libanon geboren als Tochter eines syrischen Vaters und ehemaligen Offiziers im Osmanischen Reich und einer griechischen Mutter aus Myrna, dem heutigen Ismir in der Türkei.

Heute lebt Etel Adnan in Frankreich. Sie tritt für eine Verbindung von Literatur und Kunst ein, war auch schon auf der Documenta in Kassel als Künstlerin vertreten. Viele Werke in der Ausstellung stammen von ihr. "Wir wollen diese Künstlerin, Schriftstellerin und Philosophin vorstellen, die mit ihren 96 Jahren immer noch aktiv ist", sagt Galouye.


Die Poesie der Schrift und die Klimalage im Centre Pompidou 
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 08.12.2021, Länge: 05:26 Min.]
Die Poesie der Schrift und die Klimalage im Centre Pompidou 


Schau über globale Klimanotlage

Ebenfalls gerade im Centre Pompidou Metz: "Toi et moi, on ne vit pas sur la même planète" ("Du und Ich, wir leben nicht auf demselben Planeten"). Die Ausstellung beschäftigt sich mit der Klimanotlage aus der Sicht taiwanesischer Künstlerinnen und Künstler und wurde 2020 für die Biennale in Taipeh/Taiwan konzipiert.

Die Kuratoren wollen zeigen, dass der Blick auf den Klimawandel überall auf der Welt sehr unterschiedlich ist - je nachdem, welche Folgen der oder die Einzelne konkret spürt. "Es ist, als würden wir auf verschiedenen Planeten leben, und als würde jeder dieser Planeten einen Einfluss auf uns ausüben", erklärt der Kurator der Taipei Biennale, Martin Guinard.


Centre Pompidou Metz
"Du und ich, wir leben nicht auf demselben Planeten"
Die Ausstellung "Du und ich – wir leben nicht auf demselben Planeten" wurde ursprünglich auf der Kunst-Biennale in Taipeh gezeigt - nun ist sie in Metz zu sehen.


Auf einen Blick

"Ecrire, c'est dessiner"
Ausstellungsdauer: 6. November 2021 bis 21. Februar 2022

"Toi et moi, on ne vit pas sur la même planète"
Ausstellungsdauer: 9. November 2021 bis 4. April 2022

Centre Pompidou Metz, Grande Nef
1, parvis des Droits-de-l’Homme

Internet: https://www.centrepompidou-metz.fr

Öffnungszeiten
Montag bis Sonntag: 10.00 bis 18.00 Uhr
Ab 1. April: Freitag, Samstag, Sonntag: bis 19:00 Uhr
Dienstag: Ruhetag


Ein Thema in der Sendung "Canapé - das entspannte Kulturmagazin" am 14.11.2021 auf SR 2 KulturRadio und in "WimS Kultur" am 08.12.2021 im SR Fernsehen. Das Foto oben zeigt ein Ausstellungsplakat des Centre Pompidou in Metz.

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