Quetzalcóatl von Fernando Palma Rodriguez, 2016 (Foto: © Courtesy of the Artist, Gaga, Mexico and Los Angeles and Taipei Fine Arts Museum)

"Du und ich, wir leben nicht auf demselben Planeten"

Über die Ausstellung des Centre Pompidou Metz über geo- und klimapolitische Fragen

Barbara Grech   08.11.2021 | 07:00 Uhr

Die Ausstellung "Du und ich – wir leben nicht auf demselben Planeten" wurde ursprünglich auf der Kunst-Biennale in Taipeh gezeigt - nun ist sie in Metz zu sehen. SR-Reporterin Barbara Grech war schon dort.

"Du und ich, wir leben nicht auf demselben Planeten"
Audio [SR 2, Barbara Grech, 06.11.2021, Länge: 03:27 Min.]
"Du und ich, wir leben nicht auf demselben Planeten"

Betritt man den ersten Raum der Galerie 2 im Centre Pompidou Metz, scheint man auf einem Südsee-Atoll gestrandet zu sein, allerlei Globalisierungs-Müll steht dort herum. Technischer Krempel in kindheitlicher Manier zu irgendwelchen Pseudo-Robotern und Tier-Skulpturen verarbeitet. Ästhetisch ist das nicht, aber fast schon symbolhaft für diese Ausstellung, die sich mit nichts Geringerem befasst als mit dem drohenden Untergang des blauen Planeten.

Der Traum einer einheitlichen, globalisierten Welt scheint ausgeträumt. Übrig geblieben ist ein Albtraum aus Klimakatastrophen und sozialer Ungerechtigkeit. Und nun stellen sich die Fragen: Was war die treibende Kraft für die Globalisierung, und, vor allem, was kommt danach?

Ja, es sei Mainstream, sagt der Kurator der Schau, Martin Guinard. "Trotzdem wollen wir mit dieser Ausstellung darauf hinweisen, dass es nicht um diesen einen Planeten geht. Die ganze Ökologie-Bewegung basiert auf der Idee, dass es um die globale Einheit der Menschen geht, die diese Klimakatastrophe noch abwenden kann. Die Künstler hier sagen jedoch: nein, es gibt diese Einheit nicht. Wir müssen akzeptieren, dass die Welt aus Konflikten und Streitigkeiten einzelner Länder, Systeme und Regierungen besteht. Es gibt Streit um die Ressourcen dieser Erde. Es gibt Länder, die sich abschotten um zu überleben."

Und so wandelt man durch einen Tablett-Gang, der einem eine Apokalypse nach der anderen präsentiert: brennende Wälder, überflutete Gebiete, rollende Rubel, dekadenter Konsum, um dann an einem überdimensionalen Häkel-Teppich zu enden, der da an der Wand hängt. Eine Häkel- und Stricklandschaft der Künstlerin Aluaiy Kaumakan.

Aluaiy Kaumakan ist eine Künstlerin, die aus dem Süden Taiwans stammt. Dort lebte sie in einem Dorf und machte Schmuck. Dieses Dorf wurde vor über zehn Jahren von einem Taifun komplett zerstört. Doch Kaumakan wollte zurückkehren in ihr Dorf und fing an diese Häkel und Strickskulptur zu schaffen. Zusammen mit Einwohnern des Dorfes, die ebenfalls zurückgekehrt waren. Und so steht dieser Wandteppich für einen Wiederanfang nach einer Umweltkatastrophe: Wie sich die Menschen ihr Lebensumfeld zurückerobern.

Sarkastisch formuliert: "Lasst uns eine neue Welt stricken, wenn die alte untergeht." Ohnehin hat man in dieser Ausstellung das Gefühl, dass die Antworten der Künstler eher hausbacken und selbst gestrickt sind. Globalisierung – nein Danke? Und doch: Künstler aus aller Welt sind in dieser Ausstellung vertreten.

Gerade mal dvier arunter stammen aus Frankreich, so Guinard. Der Rest kommt aus Mexiko, Afrika, viele aus Taiwan. So vielfältig sind auch die Kunstgattungen, die hier vertreten sind: Videokunst, Malerei, Skulpturen. Diese Ausstellung bietet eine künstlerische Vielfältigkeit und man sollte sich von diesen Kunstwerken inspirieren lassen und sehen, was sie mit einem machen.

Auf einen Blick

" Toi et moi, on ne vit pas sur la même planète "
Centre Pompidou Metz, Grande Nef
1, parvis des Droits-de-l’Homme

Internet: https://www.centrepompidou-metz.fr

Ausstellungsdauer
6. November 2021 bis 4. April 2022

Öffnungszeiten
Montag bis Sonntag: 10.00 bis 18.00 Uhr
Ab 1. April: Freitag, Samstag, Sonntag: bis 19:00 Uhr
Dienstag: Ruhetag


Nur noch bis zum 22. November


Ein Thema in der Sendung "Canapé - das entspannte Kulturmagazin" am 07.11.2021 und in "Der Ncahmittag" am 08.11.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Foto oben zeigt das Oeuvre Quezalcóatl von Fernando Palma Rodriguez. Bildquelle: © Courtesy of the Artist, Gaga, Mexico and Los Angeles and Taipei Fine Arts Museum.

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