Die "SchUM-Städte" Speyer, Worms und Mainz werden "UNESCO-Weltkulturerbe"

Speyer, Worms und Mainz werden UNESCO-Weltkulturerbe

Ein Gespräch mit SWR-Reporterin Marie-Christine Werner zur Entscheidung des UNESCO-Komittees

Jochen Erdmenger. Onlinefassung: Rick Reitler   28.07.2021 | 07:45 Uhr

Die UNESCO hat dem Städtebund Speyer, Worms und Mainz den Titel eines Weltkulturerbes zuerkannt. Die Bausubstanz des jüdischen Erbes dieser "SchUM-Städte" muss nun nachhaltig geschützt, erhalten und noch besser zugänglich gemacht werden, erläutert SWR-Reporterin Marie-Christine Werner im SR-Interview.

Der Dreistädtebund Speyer, Worms und Mainz ist am 27. Juli 2021 von der UNESCO in den Rang des Weltkulturerbes erhoben worden. Die rheinland-pfälzische Landesregierung hatte sich genau darum beworben.

"Jerusalem am Rhein"

Der nach ihren hebräischen Anfangsbuchstaben benannte Zusammenschluss der "SchUM-Städte" war ab dem 11. Jahrhundert zur deutschen Hochburg jüdischer Gelehrsamkeit aufgestiegen - bis zum Niedergang durch die Pest-Pogrome im 14. Jahrhundert. Doch die Talmud-Studien, die Kultur und die Rechtsprechung der Gelehrten vom "Jerusalem am Rhein" wirken zum Teil bis heute fort, wie SWR-Reporterin Marie-Christine Werner im Gespräch mit SR-Moderator erläutert.

Bausubstanz schützen

"Ein bisschen was" von der Bausubstanz des jüdischen Erbes sei noch vorhanden, "zum Teil in Ruinen, zum Teil wieder aufgebaut". Diese Bauwerke müssten nun unter UNESCO-Auflagen geschützt, erhalten und noch besser zugänglich gemacht werden - und zwar "nachhaltig, nicht als Massentourismus-Phänomen", sagte Werner. Dafür müssten die drei Städte nun Konzepte erarbeiten.

Wichtige Baudenkmäler:

  • Der jüdische Friedhof in Worms
  • Die Synagoge in Worms
  • Der Judenhof in Worms
  • Die Mikwa in Worms
  • Der jüdische Friedhof in Mainz
  • Die Mikwa (Ritualbad) in Speyer
  • Die Frauenschule in Speyer

Die Silhuette der Wormer Altstadt (Foto: SR)
Die Silhuette der Wormer Altstadt (Foto: SR Fernsehen)

Hintergrund

In Mainz, Worms und Speyer war es im Mittelalter zu einer einzigartigen Blüte des jüdischen Lebens gekommen. Nach den Anfangsbuchstaben ihrer hebräischen Namen Spira, Warmaisa und Magenza spricht man auch vom Bündnis der "SchUM-Städte", die einst das Zentrum des aschkenasischen Judentums bildeten. In den Talmudschulen in Mainz und Worms unterrichteten die prominentesten Gelehrten jener Zeit. Jüdische Friedhöfe und Ritualbäder sowie Reste von Synagogen zeugen bis heute von dieser jüdischen Hochkultur am Rhein. Beim Ausbruch der Pest im 14. Jahrundert aber war die Hoch-Zeit vorbei: Das fruchtbare Miteinander endete mit Pogromen.


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 28.07.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt den jüdischen Friedhof "Heiliger Sand" in Worms, den ältesten jüdischen Friedhof in Europa (Foto picture alliance / imageBROKER | STELLA).

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