Kommentar: Freistil-Festival - bitte am Ball bleiben!

Bitte am Ball bleiben!

Ein Kommentar von SR-Reporter Chris Ignatzi

  05.07.2021 | 08:10 Uhr

Mehr als eine Woche lang hat das Freistil-Festival im Weltkulturerbe Völklinger Hütte Kultur der unterschiedlichsten Sparten auf die Bühne gebracht. Es war das erste kollektive Festival des Netzwerks Freie Szene Saar. Nach elf Tagen zieht SR-Reporter Chris Ignatzi eine positive Abschlussbilanz und empfiehlt: Bitte den Schwung mitnehmen und am Ball bleiben! Ein Kommentar.

Ein bisschen paradox mutet es an, dass erst eine Pandemie kommen muss, die die komplette Kulturbranche lahmlegt, ehe sich bei der Freien Szene endlich etwas bewegt. Denn seitdem sich im Jahr 2008 freie Künstlerinnen und Künstler im Saarland zu einem Netzwerk zusammengeschlossen hatten, wollte es nicht so wirklich gelingen mit dem Plan, mit einem Großprojekt an die Öffentlichkeit zu gehen. Doch Corona hat am Ende dafür gesorgt, dass aus einem losen Verband von Einzelkämpfern etwas gewachsen ist.

Engagement im Vorfeld

Eine Videokonferenz nach der anderen, zaghafte digitale Projekte, erste Annäherungsversuche an die Politik und dann, runde Tische im Kulturministerium als Initialzündung. Schon im Februar hatte das Ministerium eine neue Förderstruktur bekannt gegeben und die Fördertöpfe für die freien Kulturschaffenden auf 100.000 Euro verdoppelt. Es folgte ein Austauschprogramm mit dem Netzwerk der Freien Szene in Mecklenburg-Vorpommern, das im Gegensatz zur hiesigen Szene viel Erfahrung in der Organisation von Großveranstaltungen hat.

Wie Phönix aus der Asche

Wäre die Not durch Corona nicht so groß gewesen, es wäre wohl noch lang nicht zu solch einem Schwung gekommen, der sich am Ende so verselbstständigt hat, dass die Freie Szene ein bisschen wie der Phönix aus der Asche gekommen ist und mit dem Freistil-Festival jetzt eine Veranstaltungsreihe auf die Beine gestellt hat, die begeistert – nicht nur durch ihre Vielfalt, sondern auch durch den künstlerischen Anspruch. Ob Tanz, Theater, Musik, Klangperformances oder Podiumsdiskussionen.

Neue Allianzen entstanden

Mehr als 50 Künstlerinnen und Künstler haben sich in mehr als 20 Veranstaltungen beteiligt. Nur 38 Karten gab es pro Tag, die meist schnell ausverkauft waren. Die Freie Szene hat die Erzhalle der Völklinger Hütte erstmals mit kulturellem Leben gefüllt und beweist mit dem Festival, dass sie stark geworden und ernst zu nehmen ist. Durch die Krise und vor allem jetzt, durch die vielen Kontakte zu Künstlerinnen und Künstlern, Sponsoren, Veranstaltern und der Politik im Rahmen des Festivals hat das Netzwerk neue Allianzen geschmiedet.

Weitermachen!

Jetzt gilt es, den Schwung mitzunehmen und am Ball zu bleiben. Vielleicht schon im kommenden Jahr mit dem nächsten Freistil-Festival – dann bestenfalls mit mehr Zuschauern, denn die Künstlerinnen und Künstler hätten eine volle Erzhalle verdient. Die Pläne dafür liegen schon in der Schublade.

Ein Kommentar von Chris Ignatzi


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 05.07.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Katahrina Bihler und Stefan Scheib, das "Liquid Penguin Ensemble", beim Freistil-Festival 2021 in Völklingen (Foto: SR Fernsehen).

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