Das Filmhaus zwischen Vorfreude und Bauchgrummeln

Das Filmhaus zwischen Vorfreude und Bauchgrummeln

Ein Interview mit Michael Krane vom Filmhaus in Saarbrücken zur Öffnung der Kinos

Jochen Marmit. Onlinefassung: Rick Reitler   02.06.2021 | 07:45 Uhr

Der Saarbrücker Filmhaus-Chef Michael Krane geht davon aus, dass die Kinos bald aus einem riesigen Angebot an bislang unveröffentlichten Filmen auswählen können. Das bedeute für die Kinos eine "komfortable Position". Er hofft auf weitere Corona-Lockerungen spätestens bis Herbst.

Auch für Cineastinnen und Cineasten im Saarland heißt es in diesen Tagen Ende der Durststrecke: Statt Streaming auf dem Sofa darf man Filme wieder auf der großen Leinwand genießen - allerdings unter strengen Corona-Auflagen.

Wenig Filme auf dem Markt

Im kommunalen Programmkino Filmhaus in Saarbrücken geht's am Nachmittag des 3. Juni um 17.00 Uhr mit dem dänischen Oscar-Gewinner "Der Rausch" von Thomas Vinterberg los; noch im Juni soll mit "Nomadland" der große Oscar-Abräumer 2021 laufen. Eine größere Auswahl kann Filmhaus-Chef Michael Krane zurzeit noch nicht bieten: Die Filmverleiher seien bis jetzt "in einem gewissen Tiefschlaf" gewesen, sagte Krane im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit.

Bundesweit hätten sich die Kinobetreiber darauf geeinigt, möglichst einheitlich erst am 1. Juli wieder richtig durchzustarten. Er selbst habe sich mit seinem kommunalen Kino für eine frühere Öffnung mit nur einem Film entschieden - als "Generalprobe".

Demnächst Riesen-Auswahl?

Sobald die Verleiher ihre noch unveröffentlichten Filme am Markt anböten, werde die Auswahl an Filmen "in den ersten Monaten unendlich viel größer sein als vorher", sagte Krane voraus. Denn die meisten der neuen Filme seien in den vergangenen Monaten eben nicht per Streaming verfügbar gemacht worden, sondern warteten auf ihren Kinostart. Diese große Auswahl bedeute für die Kinos "mit Sicherheit bis ins nächste Frühjahr" hinein" eine "komfortable Position".

Lockerungen "langfristig eine Existenzfrage"

"Bauchgrummeln" bereiteten ihm allerdings Einschränkungen wie etwa die maximal erlaubte Auslastung von 30 Prozent. Das werde "natürlich dafür sorgen, dass die Kinos nicht voll werden können", sagte Krane. Je nach Größe eines Kinos bedeute das "langfristig eine Existenzfrage": Je größer ein Kino, desto schwerer werde es das Lichtspielhaus haben. Er selbst hoffe auf eine Lockerung spätestens im Herbst 2021. Denn "wenn der Saal dunkel ist, ist das Kino das Schönste der Welt", so Kranes Überzeugung.


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 02.06.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Menschen im Kinosaal des Saarbrücker Filmhauses (Foto: SR).

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