Raubkunst-Bronze aus dem Benin in Westafrika (Foto: dpa/Daniel Bockwoldt)

"hammer.art_": Koloniale Raubkunst

SR   19.04.2021 | 09:00 Uhr

In deutschen Museen gibt es zahlreiche Schätze, bei denen es sich um geraubte Kunstwerek aus der Kolonialzeit handelt. Der neue Instagram-Account des Saarländischen Rundfunks zur Vermittlung von Kunst beschäftigt sich mit dem Thema.

"Wir wollen nicht länger reden, wir wollen keinen Dialog mit offenem Ausgang, wir wollen Handlungen sehen", sagt der Botschafter Nigerias, S.E. Yusuf M. Tuggar, im neuen Instagram-Kanal des Saarländischen Rundfunks, hammer.art_.

Koloniale Beutekunst: Cover des Buches "Beutekunst" von Savoy und Plakat zu einer Ausstellung 1966 mit Idia Maske  (Foto: Screenshots)

Tuggar geht damit auf die Debatte zur Rückgabe von Raubkunst aus den afrikanischen Staaten ein. Seit 50 Jahren versucht Nigeria die wertvollen Beninbronzen zurückzubekommen, die bei der Zerstörung des Palastes in Benin City von britischen Truppen geraubt und auch an deutsche Museen weiterverkauft wurden.


Streit um Raubkunst aus Afrika
Audio [SR 2, Jochen Marmit im Gespräch mit Stefan Miller, 19.04.2021, Länge: 05:06 Min.]
Streit um Raubkunst aus Afrika
SR 3-Wellenchef Stefan Miller positioniert sich im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit klar auf der Seite Afrikas und kritisiert ebenso wie der nigerianische Botschafter Yusuf Tuggar die Uneinsichtigkeit deutscher Kulturfunktionäre: "Wenn's geklaut ist, ist's nun mal geklaut".


Seit bekannt wurde, dass das Berliner Humboldt-Forum seinen Westflügel mit einer Ausstellung eben solcher Beutekunststücke eröffnen möchte, bewegt die Diskussion um Raubkunst aus Kolonial- oder Kriegszeiten wieder die bundesdeutschen Feuilletons.

Bei hammer.art_ äußert sich der nigerianische Botschafter im IGTV zu seinen Restitutionsforderungen ebenso wie die Autorin Nana Oforiatta Ayim, Enkelin eines ghanaischen Königs, die versucht, in Ghana Museen aufzubauen.


hammer.art_


Scrennshot "hammer-art_" (Foto: SR)


Hintergrund

Das Thema der Restitution afrikanischer Kunst ist eine von vielen "Geschichten hinter der Kunst", die bei hammer.art_ vor allem für junge Menschen erzählt werden.

Dabei geht es immer auch darum zu verstehen, warum sich etwa im 14. Jahrhundert plötzlich die Zentralperspektive entwickelt, warum im 19. Jahrhundert Glaspaläste in der Architektur möglich werden, was den Erfinder des Begriffs "Science Fiction" dazu bewogen hat, eine neue Gattung zu begründen und was die slowenische Zwei-Cent-Münze mit antiken Fundstücken zu tun hat.


Der SR 2-BuchTipp:

Über Bénédicte Savoys "Afrikas Kampf um seine Kunst"
Audio [SR 2, Jochen Marmit / Stefan Miller, 06.04.2021, Länge: 05:16 Min.]
Über Bénédicte Savoys "Afrikas Kampf um seine Kunst"
Schon vor 50 Jahren kämpfte Afrika um seine Kunst, die während der Kolonialzeit massenweise in europäische Museen gelangt war. Und der Kontinent fand durchaus Unterstützung im Westen. Am Ende jedoch war der Kampf nicht nur vergebens, er wurde auch erfolgreich vergessen gemacht. Auf der Grundlage von unzähligen unbekannten Quellen aus Europa und Afrika erzählt Bénédicte Savoy die gespenstische Geschichte einer verpassten Chance, einer Niederlage, die heute mit umso größerer Wucht auf uns zurückschlägt, meint auch SR-Redakteur Stefan Miller im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit.


Ein Thema u. a. in den Sendungen "Guten Morgen" auf SR 3 Saarlandwelle und "Der Morgen" auf SR 2 KulturRadio am 19.04.2021.

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