Kulturszene Saar: "Absolut dagegen, jetzt überstürzt zu öffnen"

"Absolut dagegen, jetzt überstürzt zu öffnen"

Ein Gespräch mit Mirka Borchardt vom Netzwerk Freie Szene Saar über die saarländische Kulturszene im Lockdown

Katrin Aue. Onlinefassung: Rick Reitler   04.03.2021 | 07:45 Uhr

Mirka Borchardt vom Netzwerk Freie Szene Saar hat im SR-Interview die fehlende Planungssicherheit, die "enorme existenzielle Unsicherheit" und eine "zunehmende Zermürbung" in der Kulturszene aufgrund des Lockdowns beklagt. Trotzdem sei sie "absolut dagegen, jetzt überstürzt zu öffnen".

Mirka Borchardt (Foto: Privat)
Mirka Borchardt (Foto: privat)


Für die meisten Künstlerinnen und Künstler auch im Saarland ist das seit Monaten andauernde Auftrittsverbot ein finanzielles und emotionales Desaster. Auch nach den neuen Lockdown-Beschlüssen von Bund und Ländern liegt eine Perspektive noch immer in weiter Ferne. Gewisse Zugeständnisse gab's nämlich lediglich für Museen und Galerien - bis Konzerthäuser und Theater wieder ihren Publikumsbetrieb aufnehmen dürfen, müsste die Zahl der positiv Getesteten schon deutlich nach unten gehen.

Unsicherheit und Zermürbung

Für Mirka Borchardt, Vorstandsmitglied des Netzwerks "Freie Szene Saar", sind die aktuellen Beschlüsse "so sehr vage, das man auch damt nicht richtig planen" könne. In der Kulturszene herrsche wegen der fehlenden Planungssicherheit längst es eine "enorme existenzielle Unsicherheit" und eine "zunehmende Zermürbung", so Borchardt im Gespräch mit SR-Moderatorin Katrin Aue. Viele Menschen in der Kulturszene hätten Angst, es "nicht mehr zu schaffen".

Gegen "überstürzte Öffnungen"

Auch wenn sie sich frage, welcher Stellenwert der Kultur zurzeit beigemessen werde und obwohl kein einziger Infektionsfall in deutschen Theatern oder Museen bekannt geworden sei, sprach sie sich "absolut dagegen" aus, "jetzt überstürzt zu öffnen", so Borchardt.

"Neuer Raum für neue Möglichkeiten"

Als positiv bewertete sie, dass beim Netzwerk Freie Szene Saar durch das "Aufbrechen alter Strukturen neuer Raum für neue Möglichkeiten" entstehe: Es gebe inzwischen "eine Reihe von neuen Kooperationen" und einen "sehr guten Kontakt zum Kultusministerium" und zur Stadt Saarbrücken.


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Ein Thema u.a. in der Sendung "Der Morgen" am 04.03.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Archivbild ganz oben zeigt eine leere Bühne (Archivfoto: Pixabay).

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